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Arne Gottschalck3 MIN LESEDAUER17.12.2018

Das Schweizer Taschenmesser der Fondsbranche

Multi-Asset-Fonds verkaufen sich seit Jahren bestens – unter anderem, weil mit ihnen die schwierige Frage der Asset Allocation ausgelagert wird. Das hat Folgen für den Vertrieb.

Korkenzieher, Säge, USB-Stick – alles dran am Schweizer Taschenmesser, alles dabei und damit für alles gerüstet. Eben ein in bisschen wie bei den Multi-Asset-Fonds. Das macht diese Fonds bei den Anlegern so beliebt, und auch der Vertrieb freut sich, weil ihnen die Produkte aus der Hand gerissen werden. Nur: Das Ganze hat auch eine andere Seite. Wenn man genau hinsieht.

Multi-Asset-Fonds sind, so zeigen es die Zahlen des Fondsverbands BVI, noch immer beliebt. Mit Stand Ende September 2018 verbuchten die Fonds Nettomittelzuflüsse von 19,1 Mrd. Euro, im Gesamtjahr 2017 waren es 23,3 Mrd. Euro. Auch eine Studie von Allianz Global Investors zeigt, dass diese Fonds europaweit zuletzt immer beliebter wurden. Der Grund für diese nachhaltige Beliebtheit liegt auf der Hand.  

Charme einer Idee

Immerhin kann ein Anleger mit solchen Fonds die Frage nach der Asset Allocation aus der Hand geben und ans Fondsmanagement auslagern. Für den Anleger ist das eine mehr als charmante Idee: Denn bekanntlich liegt in der Asset Allocation die schwierigste Aufgabe, der sich ein Investor stellen muss. Und eben auch die Aufgabe, die den größten Einfluss auf die Wertentwicklung eines Portfolios hat. Statt also recherche- und zeitintensiv über der Gewichtung von Anleihen oder Aktien zu brüten, geht es dann nur um die Wahl der passenden MA-Fonds.  

Bislang ist diese Kalkulation offenbar aufgegangen: Über 5 Jahre legte der durchschnittliche weltweit aktive Mischfonds 13,4 Prozent zu. Klar, im Fall globaler Aktienfonds lag das Plus mit 40 Prozent ungleich höher. Doch das ist eben der Preis, ein Taschenmesser zu verwenden und nicht das Werkzeug, das präzise zur jeweiligen Situation passt.

Genau diese Eigenschaft macht MA-Fonds auch für den Vertrieb so attraktiv. Die Fonds sind eben kein klares Statement für Aktien, wie es reine Aktienfonds sind. Sie reden aber eben auch nicht Bonds das Wort. Sondern sie sind eine Anlagelösung, mit der sich Investoren auf alles vorbereitet wähnen. Berater, die entsprechende Fonds empfehlen, liegen also nie falsch. Sie liegen natürlich auch nie ganz richtig, wie die genannten Wertenwicklungszahlen zeigen. Das Taschenmesser-Prinzip eben.

Kein Wunder also, wenn in Zeiten der Unsicherheit das zumindest aus Vertriebssicht sichere Geschäft blüht. Beispiel gefällig? 2007, dem Startschuss der Finanzkrise, verzeichneten Aktienfonds Mittelabflüsse in Höhe von rund 14 Mrd. Euro. Bei Rentenfonds lag das Minus bei gut 17 Mrd. Euro. Unter anderen auch, weil niemand aus dem Sales sich klar für eine bestimmte Assetklasse positionieren wollte. Verständlicherweise. Mischfonds dagegen sammelten netto über 10 Mrd. ein. Im Krisenfolgejahr ein ähnliches Bild, ebenso in der Euro-Krise.

Risiken einer Idee

Das festigte den Glauben der Anleger ins Mischkonzept: Wer so investiert, macht nichts falsch. Und es festigte beim Vertrieb die Vorstellung: Wer entsprechende Fonds anbietet, macht auch nichts falsch.  Denn wer das gleiche wie die Konkurrenz empfiehlt, liegt nicht falsch. Ganz ähnlich wie im Fondsmanagement, wo auch der nicht negativ auffällt, der sich am Mainstream orientiert. Zumindest in der gängigen Wahrnehmung. Doch das kann sich als Irrtum, als verführerische Abhängigkeit erweisen.

Zum einen liegt das an den Leitzinsen. Sobald die wieder steigen, wird es für Bestands-Bonds schwierig. Und genau die finden sich in den allermeisten gemischten Fonds, als Stoßdämpfer eingebaut. Mal mit höherer Gewichtung, mal mit niedrigerer Gewichtung. Doch das ist noch nicht alles.

Multi-Asset-Fonds sind bekanntlich mehr als klassische Mischfonds – eine Art Mischfonds 4.0, der nicht nur in Aktien und Anleihen, sondern auch in alles Mögliche andere investiert. Quasi wie Hedgefonds light. Die große Herausforderung für deren Management: Unkorrelierte Ertragsquellen finden. Früher waren Anleihen zu Aktien unkorreliert. Heute sind es vielleicht Mieterträge und Aktien. Und morgen? Diese Frage muss das Fondsmanagement beantworten können.

Keine einfache Aufgabe: Unter anderem, weil viele Optionen zu haben, eben auch viele Möglichkeiten bedeutet, daneben zu liegen. Man kann das recht gut an Hedgefonds beobachten: Erstrahlt eine Strategie in einem Jahr besonders hell, sieht es im Folgejahr in aller Regel dunkel aus. Dafür punktet dann eine andere Methodik. Entsprechend geschickt muss der Manager eines Multi-Asset-Fonds agieren. Immer unter der Prämisse: Im Aufwärtsschwung dabei sein, im Abwärtstrend das Schlimmste verhindern.

Ein Spiel auf Zeit

Die meisten Fonds haben bestenfalls gezeigt, dass sie in die eine Richtung dabei sein können – einfach, weil es in den vergangenen Jahren zumeist aufwärts ging an den Börsen. Und was ist mit der anderen Richtung - wenn es dauerhaft abwärts geht an den Börsen? Das wird der nächste deutliche Rücksetzer zeigen. Solange die Leitzinsen aber niedrig bleiben, dürfte der Vertrieb so weitermachen. Ein Spiel auf Zeit, der Zeit bis zur Zinsanhebung.

Was also steht unter dem Strich? Wenn der Stuhl auseinanderfällt, ist es sicher besser, ein Taschenmesser bei der Hand zu haben als gar kein Werkzeug. Doch fuhrwerkt man damit zu heftig herum, klappt das Messer zusammen. Überspitzt gesagt: Aua statt Alpha.