„Mal ganz ehrlich“, fragt Lloyd Harris, Co-Fondsmanager des Merian Global Investors Financials Contingent Capital Fund, „würden Sie eher eine Hochzinsanleihe kaufen oder das Papier eines Schuldners, der eine Investment-Grade-Bonität aufweist und trotzdem eine attraktivere Rendite bietet?“ Wer zur zweiten Alternative tendiert, für den könnte sich ein Blick auf CoCo-Bonds lohnen. So bringt zum Beispiel eine bis 2025 laufende Unternehmensanleihe des amerikanischen Streaming-Dienstes Netflix, der von der Rating-Agentur Moody’s mit Ba3 eingestuft wird, auf Endfälligkeit eine jährliche Rendite von 4,3 Prozent.

„Ein CoCo-Bond des britischen Bankhauses HSBC, dessen Rating bei Moody’s bei Baa3 liegt und das damit eine bessere Bonität aufweist als Netflix, und der in etwa die gleiche Laufzeit zumindest bis zum ersten Kündigungstermin hat, bietet auf Endfälligkeit aber eine Rendite von 5,8 Prozent“, erklärt Harris weiter. Zwar besteht ein Restrisiko, dass der CoCo-Bond zu diesem Termin nicht gekündigt wird. Nach Ansicht des Experten überkompensiert der Renditeaufschlag diese Unsicherheit aber. CoCos könnten somit möglicherweise eine interessante Alternative zu anderen Anlageklassen als Beimischung in einem Rentenportfolio sein.

Grundsätzlich sind viele Investoren derzeit mit einem Dilemma konfrontiert: Auf der einen Seite brauchen sie eine Anleihekomponente in ihrem Portfolio, um für ausreichende Erträge zu sorgen und um über ein Gegengewicht zu Aktien oder anderen Anlagen die Schwankungen zu reduzieren. Auf der anderen Seite aber bekommen sie im aktuellen Umfeld bei sicheren Anlagen auf Grund der Niedrigzinspolitik der Notenbanken keine Rendite und keine Zinsen mehr. So rentieren zehnjährige Bundesanleihen Ende Mai sogar wieder im negativen Bereich.

 

Starker Diversifikationseffekt

Anleger brauchen deshalb Alternativen. Hier bieten sich zwar Unternehmensanleihen hoher Bonität an, doch bringen auch sie kaum noch attraktive Renditen, und im Falle steigender Zinsen bergen sie zusätzlich das Risiko von Kursverlusten. „Infolgedessen sind Investoren gezwungen, die Bonitätsskala weiter nach unten in den High-Yield-Bereich oder in die Emerging Markets zu gehen“, sagt Anleiheexperte Harris. „Allerdings stellt sich auch hier zunehmend die Frage, ob das Risiko, das Anleger hier eingehen, durch die Rendite noch bezahlt wird, da sich diese Anleihekategorien zum Teil schon recht gut entwickelt haben.“

Mit anderen Worten: Investoren sollten auch andere Kategorien von festverzinslichen Wertpapieren als Portfoliobeimischung in Betracht ziehen. Und da könnten sich Pflichtwandelanleihen eignen. „Sie müssen immerhin bedenken, dass deren Korrelation zu Staatsanleihen gering und zum Teil auch gegenläufig ist, was ein nützlicher Faktor in einem Anlegerportfolio sein kann“, erläutert Harris. Vor allem aber bieten  die Papiere attraktive Renditen bei vergleichsweise geringen Kursschwankungen. So weisen beispielsweise Hochzinsanleihen, die zwar eine ähnlich niedrige Volatilität haben wie CoCos, im Vergleich dazu eine im Durchschnitt niedrigere Bonität und eine viel geringere Liquidität auf.  

 

CoCos mit attraktivem Chance-Risiko-Verhältnis

Zudem können sie auch im Vergleich zu den Aktien europäischer Kreditinstitute eine interessante Alternative sein: Während Bank-Aktien seit Anfang 2014 gemessen am MSCI Europa Banken im Minus liegen, hat der iBoxx Contingent Convertible Liquid Developed Europe AT1 EUR hedged mehr als 30 Prozent zugelegt. Und auch in Sachen Kursschwankungen schneiden CoCos nicht schlecht ab: Während der iBoxx-Index eine annualisierte Volatilität von gerade Mal rund fünf Prozent aufweist, liegt sie bei Bank-Titeln gemessen am Euro Stoxx Banken Index bei etwa 21 Prozent.  „Anders ausgedrückt bieten CoCo-Bonds im Vergleich zu manch anderen Anlageklassen derzeit ein sehr attraktives Chance-Risiko-Verhältnis“, resümiert Harris.  

Investoren, die für ihr Portfolio einen zusätzlichen Diversifikator suchen, der zugleich auch noch einen regelmäßigen Einnahmestrom liefert, sollten also nicht nur auf die üblichen Anlageklassen schauen, sondern über den Tellerrand blicken. Das gilt umso mehr, da inzwischen auch viele gängige Anlageklassen auf Grund der gestiegenen Nachfrage in den vergangenen Jahren schon recht gut gelaufen und deshalb zum Teil nicht mehr ganz günstig sind. „Tatsächlich ist genau das bei CoCo-Bonds anders, da die Nachfrage zuletzt eher verhaltener war“, erläutert Harris. „Und damit könnten sie noch eine attraktive Alternative im aktuellen Marktumfeld darstellen.“ 

 


Bisher erschienen:

Die größten Mythen zu CoCos, Teil 1: CoCo-Bonds sind zu kompliziert

Die größten Mythen zu CoCos, Teil 2: Banken sind noch so riskant wie vor der Finanzkrise


 

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Stand
21.06.2019
Merian Financials Contingent Capital Fund I USD Acc
WKN: A2DUFT
Performance 6M
12,66 %