Im Mai stiegen die Verbraucherpreise um durchschnittlich 2,8 Prozent an. Das bringt die US-Notenbank FED in Zugzwang, denn das Ziel, die Preissteigerung auf 2 Prozent zu begrenzen, ist damit zum wiederholten Mal nicht erreicht. Viel Handlungsspielraum haben die Notenbanker dabei nicht. In Frage kommt eine erneute Erhöhung der Leitzinsen, obwohl der letzte Zinsschnitt auf 1,5 bis 1,7 Prozent noch keine zwei Monate her ist. Experten sind sich sicher, dass die FED noch vor Mitte des Monats eine weitere Anpassung der Zinsen zu erwarten ist. Jerome Powell, der noch nicht lange im Amt befindliche Notenbankchef, setzt damit die Linie seiner Vorgängerin fort, die eine Abkehr von der Niedrigzinspolitik in kleinen Schritten vorantrieb.

 

Viele Fliegen – eine Klappe

Mit einer schnellen Zinsanpassung kann die FED zudem mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. Denn Dank der Steuerreform von US-Präsident Donald Trump droht eine Überhitzung der Wirtschaft. Steigen die Leitzinsen, wird dem genauso wirksam entgegengewirkt wie dem steigenden Preisniveau. Da die Arbeitslosigkeit in den USA derzeit auf einem historisch niedrigen Stand ist, kann die FED das Risiko negativer Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt vorerst ignorieren. Daher ist es auch ein offenes Geheimnis in Fachkreisen, dass die US-Notenbank im Laufe des Herbsts noch bis zu zwei weitere Zinserhöhungen durchsetzen wird. Das zeigt auch, dass die US-Wirtschaft ihren Krisenmodus endgültig verlassen hat und sich auf Wachstum programmiert.

 

Direkte Auswirkungen auf Europa?

In Europa sieht die Lage hingegen ganz anders aus. Zwar haben die meisten Länder die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise hinter sich gelassen. Das trifft aber längst nicht auf alle Staaten zu. Um das zu erkennen, reicht ein Blick nach Italien oder Griechenland. Aus diesem Grund wird die Europäische Zentralbank – anders als in der Vergangenheit – vermutlich nicht dem Vorbild der USA folgen und die Leitzinsen im Euroraum erhöhen, sondern die Niedrigzinsphase noch eine Weile andauern lassen. So lange das so bleibt, können sich Kreditnehmer in Euro-Land weiter über niedrige Zinsen freuen, während Anleger weiterhin auf gute Renditen warten müssen.