Es ist ausgemacht. Europa hat sich den Amerikanern vollkommen ergeben. Jedes europäische Unternehmen ist ohne Google, Amazon und Facebook faktisch nicht mehr wettbewerbsfähig. Diese passive „Google-Steuer“ zahlen wir alle brav, und die Politik schaut zu und erlaubt den Abfluss von gesellschaftlichem Vermögen sogar noch ohne, dass es besteuert wird. Die Politik verzichtet auf Kontrolle und sieht zu, wie die Plattformen langsam unser politisches System durch reißerische „Echokammern“ zersetzen – das ist Realität im Jahre 2019.

Ausgerechnet die Klimakrise könnte jetzt jedoch eine historische Chance in den Schoss des deutschen Wirtschaftsministers fallen lassen. Denn mit der Klimakrise ist die Gesellschaft in Europa erstmals mehrheitlich bereit, politische Regeln zu erlassen, die den Verursachern von Umweltverschmutzung zumindest einen Teil der Kosten tragen lassen würden (Lesen Sie mehr zum „Greta Devaluation Effekt“ hier).

Wenn Ölfirmen, Kohleriesen und konventionelle Autobauer durch das Einpreisen ihrer wahren Kosten teurer würden, würde dies im gleichen Maße Anbieter von alternativen Energien, Elektrofahrzeugen, Infrastruktur für die Elektromobilität, Lufttaxis, dem Internet der Dinge von Millionen von Solarsystemen, Windanlagen und einem modernen, intelligenten Stromnetz über Nacht günstiger machen als ihre fossilen Wettbewerber.

 

Industriepolitische Chance

Es ist längst klar, dass dieser Wandel ohnehin global kommen wird. Allein schon deshalb, weil selbst ohne die Einpreisung der Risiken in die Preise der fossilen Anbieter die sauberen Geschäftsmodelle mittlerweile trotzdem günstiger sind. Die Chance für Deutschland und Europa besteht vielmehr darin, die Bereitschaft ihrer Bevölkerung CO2 zu besteuern, industriepolitisch zu nutzen.

Das gilt umso mehr vor dem Hintergrund, dass Konzerne wie Volkswagen die Wende wagen und industriepolitische Unterstützung bei diesem Manöver sehr gut gebrauchen können. Wenn man eine CO2-Steuer richtig einsetzt, kann sie zu einem grünen „Marshall Plan“ werden, mit dem wir in Europa – vor Asien und den USA – die nachhaltige Infrastruktur und Technologien massiv anwenden und damit unserer Industrie und mutigen Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil in ihrem Heimatmarkt verschaffen.

 

Wettbewerbsverzerrung durch die Chinesen

Das Silicon Valley produziert digitale Oligopole, indem es über Jahre unprofitable Geschäftsmodelle finanziert, bis der letzte Wettbewerber pleite ist. Die Chinesen verzerren den Wettbewerb, indem sie ihre Außenhandelsüberschüsse strategisch zur Finanzierung ihrer Unternehmen einsetzen und wiederum den Wettbewerb verzerren, um die Wertschöpfungskette ihrer Industrien zu kontrollieren und ihrerseits ein Monopol zu bauen.

Europa könnte dem durch eine CO2-Steuer begegnen, die einen „New Green Deal“ finanziert und damit den Umbau unserer Industrie. So könnten wir im Heimatmarkt Voraussetzungen schaffen, die zum Beispiel Volkswagen die Möglichkeit gibt, massiv zu skalieren. Wir würden ethisch das Richtige tun, unsere Wirtschaft vom CO2 entkoppeln und gleichzeitig das erste industriepolitische Großprojekt mit Aussicht auf Erfolg auf den Weg bringen.
 

Lesen Sie auch diese Artikel von Philipp Schröder:

Warum Anleger jetzt aus CO2-Titeln aussteigen müssen

Wie das System „Silicon Valley“ Europas Wettbewerbsfähigkeit schwächt

Warum die USA den Handelskrieg mittelfristig verlieren werden