Das Angebot an Nachhaltigkeitsfonds wächst dynamisch: Über 600 Fonds zählt das Analysehaus Scope bereits zum nachhaltigen Universum. Die Ankündigungen von Neuauflagen mit ESG oder ähnlichen Nachhaltigkeitsbezügen im Fondsnamen reißen nicht ab. Die zunehmende Vielfalt ist sicherlich positiv zu sehen, allerdings macht es die Auswahl nicht unbedingt leichter. Zumal mit der steigenden Nachfrage auch die Verlockung für so manchen Anbieter steigt, sich grüner zu geben, als er eigentlich ist. 

„Das Thema Greenwashing ist ein recht neuer Trend“, sagt Mirko Hajek. Er ist Portfoliomanager bei der RP Rheinische Portfolio Management, die Fondsvermögensverwaltungsstrategien und seit Kurzem auch einen Dachfonds mit Nachhaltigkeitsfokus anbietet. Die Kölner Vermögensverwaltung beobachtet daher akribisch das Universum der nachhaltigen Fonds – und weiß auch, worauf man bei der Auswahl der Fonds achten sollte. 

 

Im Investmentprozess verankert

Zunächst einmal gilt es, den Investmentprozess zu prüfen. „Es reicht nicht, dass ESG drauf steht, es muss auch ESG drin sein“, meint Hajek. In anderen Worten: „Die Berücksichtigung von ESG-Kriterien muss fest im Investmentprozess verankert sein.“ Er bevorzugt Manager, die sich dem Thema voll verschrieben haben und es nicht nur als Anhängsel betrachten. 

Ein Hinweis darauf, wie ernst das Thema dem Anbieter ist, liefert ein Blick in die Vergangenheit. Asset Manager, die sich schon lange mit Nachhaltigkeit beschäftigen, genießen eher Hajeks Vertrauen als solche, die erst jetzt im jüngsten Hype auf den Zug aufspringen: „Solche Fonds, die nur eine Reaktion auf die Marktnachfrage sind, müssen zwar nicht per se schlecht sein, es besteht aber die Gefahr, dass sie schnell wieder eingestampft werden, wenn das Thema doch nicht läuft.“ 

 

Veto-Recht fürs Nachhaltigkeitsteam

Ihm reicht es auch nicht, wenn der Asset Manager nur einen externen Research-Anbieter dazu bucht, der ein mögliches Anlageuniversum liefert. „Das ist aus unserer Sicht für einen aktiven Manager zu kurz gegriffen“, sagt der Portfoliomanager. Ein Asset Manager sollte ein klares Bild von seinem Nachhaltigkeitsverständnis entwickeln, vielleicht sogar ein eigenes Rating. Nur auf Minimalstandards zu setzen reiche nicht aus. 

Hajek begrüßt es, wenn es ein eigenes Nachhaltigkeitsteam im Unternehmen gibt – und dieses auch eine zentrale Rolle einnimmt. Das Team sollte dem Fondsmanager nicht nur Vorschläge machen können, sondern auch eine Art Veto-Recht haben. So lässt sich vermeiden, dass man die selbst festgelegten Kriterien wieder aufweicht. 

 

UN PRI als Gütesiegel

Ebenfalls positiv wertet es Hajek, wenn ein Asset Manager sich offiziell dem nachhaltigen Agieren verpflichtet, etwa durch Unterzeichnen der Prinzipien für Verantwortliches Investieren der Vereinten Nationen (UN PRI). Diese Initiative wurde 2006 ins Leben gerufen und vermeldet mittlerweile weit über 2000 Unterzeichner, darunter viele Asset Manager. „Wir werten die Unterzeichnung als ein gutes Zeichen, sie ist aber nicht maßgeblich für uns. Letztlich handelt es sich dabei auch nur um freiwillige Absichtserklärungen. Es ist dann zu prüfen, wie diese tatsächlich umgesetzt werden“, so Hajek. 

Auf Produktebene können unabhängige Zertifizierungen hilfreich sein, wie das FNG-Siegel, das das Forum Nachhaltige Geldanlagen entwickelt hat. Für Hajek ist dies bei der Fondsbewertung jedoch kein Muss: „Jeder Anbieter solcher Nachhaltigkeits-Siegel hat seine eigenen klaren Vorstellungen, wie ein nachhaltiger Fonds aussehen muss. FNG beispielsweise achtet sehr darauf, in welche Branchen investiert wird und in welche nicht, und ob ein Fonds bestimmte Ausschlüsse berücksichtigt.“ Wenn also bei einem Fonds ESG-Kriterien zwar tief im Prozess verwurzelt sind, er aber nicht explizit die geforderten Sachen ausschließt, hat er keine Chance auf das Siegel.

 

Nachhaltigkeits-Reporting schafft Vertrauen

Als großes Plus wertet Hajek ein Reporting zum Nachhaltigkeitskonzept des Fonds. Einige Anbieter analysieren und veröffentlichen beispielsweise, wie gut Portfoliounternehmen in Einklang zu bringen sind mit allen 17 oder nur mit bestimmten Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen, den Sustainable Development Goals (SDGs). Ein anderer Weg ist die Veröffentlichung konkreter Zahlen, etwa zum CO2-Verbrauch der Unternehmen im Portfolio oder dem Verbrauch anderer Ressourcen. 

„Wenn ein Fondsanbieter über solche Daten berichtet, ist dies von Vorteil, da der Außenstehende so besser kontrollieren kann, was der Fondsmanager tut“, so Hajek und ergänzt: „Einige größere Gesellschaften wie Schroders oder Aberdeen Standard haben bereits ein gutes Reporting, kleinere Anbieter sträuben sich tendenziell etwas dagegen, auch aufgrund des recht hohen Aufwands.“

 

Engagement trägt Früchte

Eine Basisanforderung an den Asset Manager ist zudem, dass er nicht nur seine ESG-Kriterien bei der Auswahl anwendet, sondern auch aktives Engagement betreibt. „Der Asset Manager sollte so versuchen sicherzustellen, dass die Entwicklung des Unternehmens langfristig und nachhaltig angelegt ist und bleibt“, fordert Hajek. Untersuchungen zeigen, dass Engagement, also der gezielte Dialog mit dem Unternehmen, durchaus Früchte trägt. Auch der Kapitalmarkt kann also Druck auf das Verhalten der Unternehmen ausüben – und sollte diese Möglichkeit auch nutzen.

 

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Stand
20.09.2019
Kölner Nachhaltigkeitsfonds A
WKN: A2PEMJ
Performance 1M
4,53 %