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CAPinsidePolitik2 MIN LESEDAUER06.12.2018

Euro soll Abhängigkeit vom Dollar abschütteln

Der Euro als Weltwährung? Lange Zeit rangiert die europäische Gemeinschaftswährung nur auf dem zweiten Platz, gleich hinter dem Dollar. Doch wenn es nach dem Willen der EU-Kommission gehen soll, dann soll sie bald eine zentrale Rolle in der Welt spielen.

Am Iran hat sich gezeigt, wie sehr der Dollar in der Lage ist, dem Euro-Raum seine Spielregeln aufzudrücken. Die Sanktionen der USA gegen den Iran wirkten sich nicht nur auf das Land aus, sondern auch auf die europäischen Staaten. Denn die meisten internationalen Geschäfte werden in Dollar abgehandelt. Wer trotz der Sanktionen mit dem Iran Handel treiben wollte, dem kamen die Vereinigten Staaten deshalb schnell auf die Spur. Schließlich kontrollieren die USA den Dollar-Zahlungsverkehr. Durch das Embargo sahen sich europäische Unternehmen gezwungen, ihre Geschäfte mit dem Iran aufzugeben.

 

Aus diesem Grund hat die EU-Kommission beschlossen, den Euro in Zukunft eine wichtigere Rolle spielen zu lassen. Am 04.12. wurden Ideen dazu, wie dieses Vorhaben realisiert werden könnte, von der Kommission und dem EU-Währungskommissar Valdis Dombrovskis vorgetragen. Das Papier soll in der kommenden Woche beim Treffen der Staats- und Regierungschefs der Mitgliedsstaaten besprochen werden. Zwar kann die EU-Kommission selber keine geldpolitischen Initiativen in die Wege leiten. Jedoch kann sie Anreize geben, um dem Euro mehr Geltung zu verschaffen.

 

Mitgliedsstaaten sind gefordert

Schon im September monierte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, dass 80 Prozent der europäischen Energieimporte in Dollar bezahlt würden. Dabei kamen nur 2 Prozent davon aus den USA. Neben den Energieimporten handeln auch die Großunternehmen untereinander mit Dollar – selbst, wenn sie sich auf europäischem Boden befinden. Dabei ist der Euro mittlerweile zur zweitwichtigsten Währung der Welt geworden. Und das, obwohl die europäische Gemeinschaftswährung nur 20 Jahre alt ist. Juncker forderte deshalb, dass der Euro „Gesicht und Werkzeug der neuen europäischen Souveränität“ werden solle.

Welche Währung die einzelnen Staaten und Unternehmen jedoch verwenden wollen, darüber entscheiden sie selbst. Daher kann die EU-Kommission lediglich Vorschläge geben. Ziel dieses Vorstoßes ist es, nicht nur den Euro zu stärken, sondern auch den eigenen Euroraum gegen Sanktionen zu schützen. Dadurch soll auf lange Sicht die Souveränität der EU und seiner Finanzen gesichert werden.

 

Bestimmte Sektoren gefragt

Dabei soll nicht die gesamte Wirtschaft und der Finanzmarkt über Nacht umgekrempelt werden. Stattdessen konzentriert man sich vorerst auf bestimmte Märkte. In dem Papier ist zuerst von der Energie, von den Rohstoffen und von Flugzeugen die Rede. In diesen Sektoren soll der Euro zu mehr Geltung gelangen. Außerdem sollen eigene Institute geschaffen werden, wie die Europäische Investitionsbank (EIB) und den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM). Dadurch sollen die Schäden, die durch Dollar-Sanktionen geschehen, eingedämmt werden. Die EU soll weniger abhängig werden von US-amerikanischen Zahlungsdienstleistern wie PayPal. Außerdem soll das Wechselkursrisiko fallen und mehr Liquidität in den europäischen Finanzmarkt gelangen.


In Berlin wird die Initiative zustimmend aufgenommen. Gerade hier trafen die US-Sanktionen auf Unmut. Man zeigte sich verärgert darüber, dass die USA Geopolitik über den Köpfen der EU-Mitgliedsstaaten hinweg betreibt. Die Sanktionen führten letztlich dazu, dass das Atomabkommen mit dem Iran aufgegeben werden musste.