Das Thema Nachhaltigkeit ist in aller Munde. Warum sollten sich Berater und Investoren mit dem Thema unbedingt beschäftigen?

Roch: Nachhaltigkeit ist ein positiv besetztes Thema, mit dem es sich leichter mit dem Kunden sprechen lässt. Selbst wenn es mal an den Märkten nach unten geht, haben die Kunden das Gefühl, dass sie mit ihrem Geld auch etwas bewirken. Das Investment hat also im Idealfall einen positiven Effekt.

 

Wo kommt aktuell die starke Aufmerksamkeit her?

Roch: Die Politik trommelt sehr stark, die Medien tun es auch. Es gibt die "Fridays for Future"-Bewegung und vieles mehr. All das sorgt für viel Interesse in der Öffentlichkeit. Hinzu kommt: Nachhaltigkeit ist politisch gewollt in Deutschland und in Europa. Und wenn es politisch gewollt ist, bedeutet das, dass sich das Thema in Gesetzen und Verordnungen wiederfindet. Aber auch das Anlageuniversum wird zunehmend größer. Es gibt immer mehr nachhaltig orientierte Unternehmen. Ich kann mich erinnern: Vor 15 Jahren hat sich kaum ein Unternehmen mit dem Thema Nachhaltigkeit in seinen Abschlüssen und Bilanzen beschäftigt. Heute haben ganz viele Firmen eigene Abteilungen oder zumindest einen eigenen Beauftragten dafür. Auch das zeigt, dass die Firmenchefs das Thema viel ernster nehmen.

 

Habe Sie den Eindruck, dass die Berater ganz gut aufgeklärt sind in diesem Bereich und entsprechend in der Lage sind, nachhaltig gemanagte Produkte, in welcher Ausprägung auch immer, anzubieten?

Roch: Hier gibt es sicherlich Nachholbedarf. Ich würde sagen, dass sich vielleicht fünf Prozent der Berater im Bereich Nachhaltigkeit wirklich gut auskennen. Die setzen das Thema auch schon um mit einzelnen Fonds, aber die breite Masse tut das nicht. Wir stellen in unseren regelmäßigen Webinaren auch fest, dass sich viele Berater mit dem komplexen Thema noch recht schwer tun. Das große Potenzial erkennen aber immer mehr Berater.

 

Wie können Sie als RP helfen?

Roch: Unser Ziel ist es zu vermitteln, dass sie bei uns ein Basisinvestment bekommen können, von einer spezialisierten Gesellschaft, die sich seit vielen Jahren mit dem Thema beschäftigt und für die Nachhaltigkeit ein Teil ihrer DNA ist. So können Berater die Anlagen mit gutem Gewissen an ihre Kunden vermitteln, ohne sich selbst komplett in die Materie einzuarbeiten.

 

Schreckt möglicherweise die fehlende Definition von Nachhaltigkeit viele Berater und Anleger ab?

Roch: Ja, es stimmt, es gibt das große Problem der Definition. Wenn ich Vorträge halte, stelle ich fest, dass jeder seine eigene Sichtweise hat. Es gibt Berater, die verbinden das Thema vor allem mit dem Ausschließen bestimmter Unternehmen oder Branchen bei der Investition. Dann gibt es auf der anderen Seite etwa die kirchlichen Institutionen, die sich seit Jahrzehnten darüber Gedanken machen und wo vor allem ethisches Investieren eine Rolle spielt. Die Frage ist also, wie ich das alles subsumiere. In Deutschland läuft das seit einigen Jahren vor allem unter ESG (Environment Social Governance), zu deutsch: Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Das ist ein Begriff, der nachhaltiges Investieren ganz gut sammelt.

 

Welche Expertise hat Ihr Haus in diesem Bereich?

Roch: Für uns ist es eine Herzensangelegenheit. Wir haben bereits 2001 damit angefangen, uns mit nachhaltigen Geldanlagen zu beschäftigen und managen seit über 15 Jahren nachhaltige Portfolios. Bei der Gründung von RP vor 12 Jahren haben wir die entsprechenden Werte fest in der Unternehmenskultur verankert. Wir haben darüber hinaus gleich eine gemeinnützige Stiftung gegründet, die jährlich mit Firmengeldern gefördert wird. Ein großer Teil des Geldes, das wir im Bereich Nachhaltigkeit verdienen, spenden wir zusätzlich für gute Zwecke. Für jede 1000 Euro, die von Kunden investiert werden, gibt es beispielsweise eine Impfdosis für ein Kind in Entwicklungsländern, etwa für Masern oder Malaria-Prophylaxe. Wenn jemand bei uns Geld anlegt, passiert damit also auch etwas Positives. Das kann auch in die Richtung Klimaschutz gehen, zum Beispiel durch Beiträge zu Aufforstungsprojekten. Unser Haus ist zudem seit über 10 Jahren klimaneutral.

 

Sie haben bereits mehrere nachhaltige Strategien. Nun soll bald eine ETF-Dachfondslösung folgen. Warum?

Roch: Bislang bieten wir unsere Strategien nur als Fondsvermögensverwaltung an. Für Berater ist ein Fonds jedoch oft noch leichter zu vermitteln. Gleichwohl gibt es am Markt nicht viel in diesem Bereich. Wir werden wahrscheinlich der erste Nachhaltigkeits-ETF-Dachfonds sein. Für viele Investoren kann das Produkt eine attraktive Lösung sein, da es recht aufwändig ist, aus den verschiedenen Nachhaltigkeits-ETFs die richtigen Strategien einzeln auszuwählen. Auch übernehmen wir neben der Auswahl der ETFs das Risikomanagement und passen die Strategie laufend an. Das ist ein echter Mehrwert. Wir schauen zum Beispiel, dass keine große Klumpenbildung entsteht, analysieren genau die Kostenstrukturen der einzelnen Produkte, überprüfen, wie die Spreads an der Börse sind, wie es um die Liquidität bestellt ist und wie das Market Making läuft. Das alles zusammen macht es attraktiv, in eine gemanagte Variante wie die unsere zu investieren - ob nun institutionell oder als Privatanleger.

 

Wie wählen Sie die interessanten ETFs aus?

Roch: Im ersten Schritt geht es darum zu überprüfen, ob es sich um einen ETF handelt, den wir als nachhaltig bezeichnen oder nicht. Bei Themen-ETFs schauen wir, welche uns weiterbringen können, zum Beispiel Wasser oder erneuerbare Energien. Die Selektion erfolgt dann immer quantitativ. Unsere Modelle analysieren nach bestimmten Kriterien, etwa Performance, Momentum oder Mean Reversion. Insgesamt sind es acht verschiedene Kennzahlen. Jedes einzelne Produkt wird dann anhand dieser Kennzahlen in eine Rangfolge gebracht. Die zehn besten Produkte werden immer jeweils mit zehn Prozent allokiert. Das Portfolio wird dann laufend überwacht und vierteljährlich angepasst.

 

Wie viele ETFs haben Sie zur Auswahl?

Roch: Es sind rund 150 ETFs, aber es kommen jede Woche neue dazu. Das Segment wächst derzeit sehr stark. Es handelt sich ja im Grunde um gleich zwei Megatrends: ETFs und Nachhaltigkeit. Und die verbinden wir nun zu einem Produkt.