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The Digital Leaders FundAktienfonds Technologie3 MIN LESEDAUER08.11.2018

Facebook nach den Q3-Zahlen: Geschäftsmodell hinkt neuem Nutzerverhalten hinterher

Der Kommunikations-Riese Facebook schaltet nach Datenschutz-Skandal wieder auf Angriff. Wir sagen nach Veröffentlichung der Q3 Zahlen "Daumen hoch" für die Facebook Aktie - mehr dazu im Beitrag.

Facebook - welches im Portfolio des DLF vertreten ist - hat seine Zahlen fürs dritte Quartal 2018 präsentiert.

Die Umsätze stiegen wie von Analysten erwartet um 33 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.

Die Verfehlung um 40 Millionen, also um ganze 0,3 Prozent, kann man in diesem Fall eher als Rundungsgröße abtun. 

Zumal der starke Dollar derzeit die US-Unternehmen belastet.

Der Gewinn pro Aktie fiel mit 1,76 etwa 30 Cents höher aus als erwartet, das wurde aber mit steuerinduzierten Einmaleffekten begründet.

Nach diesen mäßig spektakulären Zahlen haben wir mit Spannung auf den Analystencall gewartet.

 

Facebook schaltet wieder auf Attacke

Bei der Präsentation der Q2-Zahlen vor drei Monaten hatte man den Eindruck, das Management wollte regelrecht den eigenen Aktienkurs niederreden.

Das war jetzt anders.

Ein deutlich besser aufgelegter Mark Zuckerberg stellte sich gestern den Analysten und hatte die Demut der letzten Quartale offensichtlich zu Hause gelassen: „Wir bauen die besten Messaging-Apps der Welt“.

Nach der harschen Kritik von Apple-Chef Tim Cook ging nun auch Zuckerberg zur Attacke über:

„Die Leute präferieren WhatsApp (über Apples iMessage), weil wir end-to-end verschlüsseln, die Nachrichten nicht speichern und auch den Zugangsschlüssel zu den Nachrichten nicht in China oder sonst wo aufbewahren.“

 

Nutzerzahlen enttäuschen auf den ersten Blick

Zunächst ging er aber schnörkellos auf die Ergebnisse ein.

Die Zahlen der monatlich und täglich aktiven Nutzer (ohne Instagram und WhatsApp und Messenger) zeigen:

In USA stagnieren die Nutzerzahlen auf hohem Niveau, in Europa gehen die Zahlen sogar leicht zurück, in Asien und dem Rest der Welt nimmt das Wachstum ab.

 

Zahl der täglich aktiven Facebook Nutzer (Quelle: Facebook Q3 Präsentation)

 

Zahl der monatlich aktiven Facebook Nutzer

 

Wobei der Abschwung in den Wachstumsraten in Q3 nachgelassen hat und die absoluten Userzahlen immer noch ansteigen:

Wachstumsraten von Facebook-Nutzern nach Region (Quelle: Seekingalpha, Hervé Blandin)

 

Facebook hat es auch im abgelaufenen Quartal geschafft, den Umsatz pro Nutzer in den bedeutenden Regionen USA und Europa zu steigern.

Die Umsätze pro User in den Wachstumsregionen stagnieren allerdings auf wesentlich niedrigerem Niveau.

Die derzeit 6 Millionen Werbekunden sind also weiterhin bereit, immer mehr Geld für das Targeting in USA und Europa auszugeben, nicht aber außerhalb dieser Märkte.

 

Werbeumsatz pro Nutzer

 

Messengerdienste , Stories und Videoapps  kommen bei Kunden an

Nimmt man Instagram, Facebook und Messenger in die Kalkulation der Q3-Userzahlen auf, dann steigt die Zahl der monatlich aktiven Nutzer von 2,27 auf circa 2,7 Milliarden.

Das ist nochmals eine Steigerung um 100 Millionen gegenüber Q2.

Das Problem: Die Monetarisierung dieser neuen Nutzung funktioniert nicht annähernd so gut wie bei herkömmlichen Facebook News Feeds.

Facebook sieht drei große Trends im Nutzerverhalten:

  1. User kommunizieren zunehmend lieber privat beziehungsweise in kleinen Gruppen via Messaging (WhatsApp, Messenger).
  2. Sie setzen immer mehr auf flüchtige Kommunikation (Zuckerberg nutzt das hübsche Wort “ephemerisch”), also Nachrichten mit Fotos und Videos, die nach einer bestimmten Zeit automatisch verschwinden (Facebook Stories).
  3. Kunden konsumieren immer mehr Videos (Watch auf Facebook und IGTV auf Instagram).

Für alle drei Trends bietet Facebook führende Produkte.

Über WhatsApp und Messenger werden 100 Milliarden Nachrichten täglich verschickt, das sind mehr als jemals SMS täglich verschickt wurden.

Facebook kommerzialisiert Messaging sehr vorsichtig, indem es Werbeformate ausprobiert und WhatsApp für Geschäftskunden öffnet.

Über 1 Milliarde Stories werden täglich über Instagram und Facebook verschickt.

Doch das Unternehmen tut sich bisher schwer damit, Werbekunden von Stories genauso zu überzeugen wie bisher von News Feeds.

Und das, obwohl Kunden über Stories oft einen höheren Ertrag auf ihre Werbebudgets erreichen.

Gleiches gilt für die Videoformate von Facebook, wobei auch Google hier anfänglich große Schwierigkeiten mit der Monetarisierung hatte.

Aber zunächst führt das passive Konsumieren von Videos zu weniger Interaktion und somit zu weniger Ertrag.

 

Fazit

Facebook hat sich nach dem Q2-Schock mit soliden Zahlen und vor allem weniger Molltönen präsentiert.

Die Investitionen in Datenschutz und Sicherheit belasten die Margen, wobei die operative Marge mit aktuell 42 Prozent immer noch außergewöhnlich gut ist.

Die Aussichten auf Q4 sind jetzt etwas positiver ausgefallen – man darf wohl auch in den kommenden Quartalen von einem Umsatzwachstum von circa 25 Prozent ausgehen.

Entscheidend für die langfristige Entwicklung ist jedoch, ob und wie schnell es Facebook gelingen wird, Werbekunden von den neuen Formaten zu überzeugen.

Wir sind zuversichtlich, dass es Facebook gelingen wird, denn Werbekunden sind träger als Nutzer und brauchen deutlich mehr Zeit und Tests, um Milliarden von Budgets auf neue Features zu allokieren.

Entscheidend dabei ist, dass der Return on Marketing-Investments über die neuen Formate merklich steigt.

Angesichts des Wachstums der Nutzerzahlen der neuen Formate sind wir davon überzeugt.

Die Aktie wird derzeit mit dem 20-fachen des für 2018 erwarteten Nettogewinns bezahlt.

Für ein Unternehmen mit mehr als 25 Prozent Wachstum und einer Free-Cashflow-Marge von 30 Prozent ist das sicherlich nicht zu viel.

Wir bleiben mit dem Digital Leaders Fund daher weiter in Facebook investiert.

 

 

 

 

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