Die Lust an Beteiligungen an sogenannten „realen“ Sachwerten (Real Assets) ist ungebrochen. Investoren versprechen sich von Anlagen in Immobilien und Co. stabile, tendenziell inflationssichere Renditen auf der einen Seite und eine Alternative zu der Volatilität der Aktienmärkte sowie den zinspolitischen Unsicherheiten bei Anleiheninvestments auf der anderen Seite. Eine Analyse der Ratingagentur Scope zum Thema Sachwert-Investments beispielsweise zeigt, dass sich der Markt für geschlossene Publikums-AIF (Alternative Investmentfonds) im zweiten Quartal positiv entwickelt hat. Das prospektierte Eigenkapitalvolumen der Fonds-Neuvorstellungen in den Monaten April bis Juni betrage laut Scope insgesamt rund 560 Millionen Euro und habe sich damit gegenüber dem ersten Quartal 2019 mehr als versechsfacht. Zugleich seien aber weniger Direktbeteiligungen und andere sachwertnahe Vermögensanlagen auf den Markt gekommen.


Expansion hin zu unternehmerischen Direktbeteiligungen

Gerade auch bei Family Offices spielen Sachwertbeteiligungen eine herausgehobene Rolle. Mandanten mit komplexen Vermögen halten regelmäßig große Teile davon in illiquiden Assets und suchen weitere Zugänge zu neuen Lösungen. Seit der Finanzkrise sei ein großer Trend hin zu Real Assets zu beobachten, betont Yvonne Brückner, die Geschäftsführerin des Forschungsinstituts und Think Tank für unternehmerische Zukunftsstrategien ResFutura, in einem aktuellen Interview. Angefangen habe dies mit konservativen Immobilen-Investments, die aber inzwischen vielfach sehr teuer geworden seien – auch, weil sich immer mehr Family Offices in diese Richtung orientiert hätten. Daher hätten viele Family Offices immer mehr in Richtung unternehmerischer Direktbeteiligungen expandiert. Diese Dynamik lasse sich im Zeitverlauf seit der Finanzkrise zeigen.

Der Vorteil von Real Assets für Family Offices und deren Mandanten besteht regelmäßig darin, durch Sachwertbeteiligungen auch bestimmte gesellschaftlich-ökologische Ziele fördern zu können. Ein Beispiel dafür gibt Aquila Capital. Die Gesellschaft managt alternative Investments für institutionelle Investoren weltweit und betont die Bedeutung von Sachwertinvestments für die Finanzierung der europäischen Energiewende. Der Anteil erneuerbarer Energien am europäischen Energiemix sei in den vergangenen Jahren sehr stark gestiegen. In nächster Zeit sei kein Ende dieses Trends abzusehen. Einer der Hauptgründe für diese Entwicklung sei die Einführung und Umsetzung neuer politischer Maßnahmen der europäischen Regierungen zur Reduktion des Ausstoßes von Treibhausgasen von mehr als 80 Prozent und damit der Abhängigkeit der Mitgliedsstaaten von fossilen Brennstoffen bis 2050. Dabei bestünden aber für den Ausbau große Herausforderungen an die bestehende Energieinfrastruktur, die umfangreiche Investitionen durch die Privatwirtschaft nötig machten.


Langfristig stabile und risikoadäquate Renditen

Die Experten gehen davon aus, dass das Wachstum im Bereich erneuerbarer Energieerzeugung anhalten werde. Aufgrund des anhaltenden Preisverfalls bei erneuerbaren Energien würden diese fossilen Brennstoffe aus betriebswirtschaftlichen Gründen weiter verdrängen. Die Nutzung von Kohle und Öl werde folglich weiter abnehmen, ebenso wie der Gesamtverbrauch von fossilen Brennstoffen. Die Stilllegung von fossilen Erzeugungsanlagen werde das Wachstum der erneuerbaren Energieerzeugung weiter vorantreiben. Und der Zuwachs an erneuerbarer Energie erfordere grundlegende Veränderungen im europäischen Energiesystem.

Aus diesen Erkenntnissen folgen laut Aquila Capital folgen gute Chancen für Anleger. „Bei der Erzeugung erneuerbarer Energien können institutionelle Investoren auf eine bewährte Anlageklasse zurückgreifen, die weiterhin von Technologiefortschritten profitiert und langfristig attraktive und stabile sowie risikoadäquate Renditen bietet. Stromgestehungskosten sinken und die Abhängigkeit von Subventionen nimmt ab, wodurch sich das regulatorische Risiko verringert.“


Mitwirkung an gesellschaftlichen Entwicklungen

Ein Sachwert-Spezialthema ist beispielsweise das Investment in nachhaltig an- und abgebautes Sandelholz. Durch seine medizinischen Eigenschaften und seinen Duft ist das enthaltene ätherische Sandelholz-Öl seit Jahrtausenden in Asien begehrt. Aber auch westliche Märkte, wie die Parfümindustrie, Anbieter von Naturkosmetik und Aromatherapie sowie die Schulmedizin, gehören zu den Abnehmern. „Die weltweite Nachfrage nach Sandelholz kann aber seit mehr als 20 Jahren nicht bedient werden, das Angebot ist um über 95 Prozent gefallen, der Baum durch Raubbau vor dem Aussterben bedroht. Durch die nachhaltige Kultivierung in Australien als aufgeforstete Mischwälder wird einerseits der Fortbestand dieser Spezies gesichert und andererseits eine Monopol-ähnliche Quelle mit breiter Wertschöpfung geschaffen. Die Kombination von wirkungsorientierter Nachhaltigkeit, hohe Unabhängigkeit von Börsen und Weltwirtschaft sowie unternehmerischen Renditen trifft den Wunsch vieler Investoren“, erläutert Peter Jäderberg vom Hamburger Impact Investor Jäderberg & Cie., der 2010 zum ersten internationalen Plantageninvestor des Weltmarktführers Quintis wurde.

„Es mag zwar wie eine exotische Nische anmuten, doch zum handvollen Kreis dieses exklusiven Sandelholz-Clubs gehören der Staatsfonds Abu Dhabis, Harvards Universitätsstiftung und die Church of England.“ Und generell steige die Beliebtheit dieser Beteiligungsmöglichkeiten bei professionellen Investoren wie Family Offices, beobachtet Peter Jäderberg. Insbesondere die Nutzung des Öls in pharmazeutischer Qualität zur Heilung von Hautkrankheiten findet Anklang. „Das ist ein Vorhaben, an dem vermögende Familie aus Gründen der gesellschaftlichen Teilhabe wie eben der medizinisch-pharmazeutischen Entwicklung vielfach mitwirken wollen.“