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Patrick Peters3 MIN LESEDAUER19.11.2018

Fixed Income: Auf der Suche nach den Perlen des Mittelstands

Laufende Ausschüttungen sind für viele Investoren immer noch ein wesentlicher Aspekt in der Geldanlage. Das wird immer schwieriger, aber ist freilich nicht unmöglich. Doch die Instrumente wandeln sich, beispielsweise hin zu Anleihen von Unternehmen aus der zweiten Reihe.

Fixed Income, also festverzinsliche Wertpapiere, waren mal Standard in sämtlichen Depots. Die Älteren werden sich noch an die Zeiten erinnern, in denen Bundesanleihen sechs, sieben oder acht Prozent pro Jahr erwirtschaftet haben. Sicher, die Inflation zu der Zeit lag oftmals höher, aber die Zinsen flossen und mehrten das Vermögen zumindest absolut. Und dazu kommt: Diese Papiere waren auch noch sehr sicher, von einer Zahlungsunfähigkeit der Bundesrepublik war niemals auszugehen. Diese Zeiten scheinen gerade im Nebel der Geschichte zu versinken. Zwar ist das Insolvenzrisiko Deutschlands weiterhin gleich Null, die Zinsen auf Bundesanleihen aber eben auch. Die Umlaufrendite liegt Mitte November bei etwas mehr als 20 Basispunkten. Der diesjährige Tiefstand betrug im Juni übrigens sechs Basispunkte, also 0,06 Prozent.

„Ein ähnliches Bild zeigt sich bei Unternehmensanleihen, früher klassischerweise der zweite sichere Renditebringer vor allem für konservative Sparer. Heute liegt die durchschnittliche Rendite von Anleihen hoher Bonität bei etwa 0,6 Prozent für fünfjährige Laufzeiten, um mehr als zwei Prozent zu erreichen, müssen Anleger schon nach Anleihen im BB-Segment Ausschau halten, also im sogenannten „non-investmentgrade“ oder spekulativen Bereich. Im Oktober kletterte die Jahresinflation nach Angaben des Statistischen Bundesamtes auf 2,5 Prozent. Wenn man allein den Wertverlust des Geldes gegen die Rendite rechnet, reichen selbst Anleihen mit einem erhöhten Risiko nicht mehr aus, um keinen Kaufkraftverlust zu erleiden“, stellt Thilo Stadler heraus, Portfoliomanager bei der unabhängigen Vermögensverwaltungsgesellschaft I.C.M. in Mannheim und Neuss. Zum Vergleich: Mit Krisenbeginn 2008 lag die Durchschnittsrendite von fünfjährigen A-Anleihen bei mehr als fünf Prozent.

Trotz allem erkennt er weiterhin den Wunsch vieler Investoren, auf festverzinsliche Wertpapiere zu setzen. Vor allem semi-institutionelle Anleger sind von der Suche nach laufender Ausschüttung getrieben, um ihren Verpflichtungen nachzukommen, seien es Stiftungen oder auch Pensionskassen. „Sie müssen sich vergegenwärtigen: ‚There is no free lunch‘, es gibt keine Rendite ohne Risiko, wie die aktuellen Zahlen zeigen. Aber dennoch existieren natürlich auch auf dem Anleihenmarkt genügend Möglichkeiten für stabile Kupon-Zahlungen“, ist sich Stadler sicher. In seinem Fokus: Papiere von verlässlichen und solventen Unternehmen, die aufgrund ihrer Größe und/oder ihres Geschäfts weniger stark im Fokus der Öffentlichkeit stehen als die üblichen Verdächtigen, die jeder kennt. Die berüchtigten „Mittelstandsanleihen“, die in jüngerer Vergangenheit häufig ernste Probleme bekommen haben, seien damit übrigens explizit nicht gemeint. Sondern stabile Unternehmen mit einem nachvollziehbaren und zukunftsorientierten Geschäftsmodell.

Zwei Beispiele: Die kürzlich emittierte Inhaberschuldverschreibung der DIC Asset AG (ein deutsches börsennotiertes Immobilienunternehmen mit dem Fokus auf Gewerbeimmobilien) hat einen Kupon von 3,5 Prozent (ISIN: DE000A2NBZG9). In den vergangenen drei Jahren hat der Aktienkurs von DIC Asset AG um 24 Prozent zugelegt, das zeugt vom stabilen Wachstum des Unternehmens. Oder die K + S-Anleihe aus 2017 (ISIN: XS1591416679): Der jährliche Kupon liegt bei 2,625 Prozent, der Kurs steht aktuell bei 102,85 Prozent. Steige dieser weiter, so Thilo Stadler, komme mit Blick auf die Laufzeit bis 2023 etwa ab 2020 auch ein Verkauf in Betracht, um den Kursgewinn zu realisieren. Dieser kann durchaus höher liegen als der kumulierte Kupon der verbleibenden Jahre.

Der Düsseldorfer Vermögensverwalter Thomas Hünicke (WBS Hünicke) nennt diese Anleihen „Perlen des Mittelstandes“. Auch er weiß, dass Namen wie Escada, Zamek und Co. das Ansehen von Anleihen mittelständischer Unternehmer beschädigt haben. Das heißt für ihn aber nicht - und ist damit auf einer Linie mit Thilo Stadler -, dass Anleger darum immer einen großen Bogen machen sollten.

Solche Perlen gibt es einige in der deutschen Wirtschaft, man denke beispielsweise nur Helma Eigenheimbau, den Zulieferer SAF Holland oder auch die Baumarktkette Hornbach. Diese Unternehmen haben sehr gute Anleihen emittiert, die nichts mit den „bösen“ Mittelstandsanleihen zu tun haben.

Es gilt jedoch laut Thomas Hünicke bei allen Anleihe-Investments: Diese sollten nicht ohne eingehende vorherige Analyse getätigt werden. Dazu lohnt es sich, sowohl auf Analysen externer Partner zurück als auch auf eigene Beobachtungen zurückzugreifen. Will heißen: „Vor einem Mittelstandsinvestment sprechen Vermögensverwalter intensiv mit der Geschäftsführung und schauen sich die Geschäftsentwicklung und die Strategie an, um so ein Bild von der Zukunft zu zeichnen. Von diesen Ergebnissen hängt dann die Investitionsentscheidung ab.“

Der Investmentprozess sollte auch bei Anleihen fest definiert sein, und Investoren sollten Mittelstandsanleihen nur dann erwerben, wenn sie alle zuvor festgelegten Kriterien erfüllen. Thomas Hünicke betont: „Unserer Ansicht nach sollten Anleiheninvestments eine Quote von fünf Prozent nicht übersteigen. Anleihen sind ein kleiner Baustein in einer umfassenden strategischen Allokation – nicht mehr, aber auch nicht weniger.“

Der Krefelder Fondsberater Rolf Klein („Target European L/S“) weist dabei auf das Kursrisiko von Anleihen hin, das den Spaß an den laufenden Ausschüttungen ein wenig verderben kann. „Steigende Zinsen führen klassischerweise zu fallenden Anleihenkursen. Das sollten Anleger im Blick behalten, gerade auch bei ihren Renten- und Mischfonds. Diese haben viele Jahre gute Ergebnisse erwirtschaftet, aber das wird sich ziemlich sicher wandeln. Darauf zu reagieren ist die Aufgabe strategisch denkender Investoren.“

Als Fixed Income-Alternative stellt Rolf Klein daher beispielsweise ausschüttungsstarke Aktienfonds nach vorne, die über eine breite Streuung in Wachstums- und Dividendentitel, auch im Small- und Midcap-Bereich, investieren und zugleich mittels Absicherungsinstrumenten Vermögen schützen und auch in schwachen Zeiten noch eine gewisse Rendite erwirtschaften.