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Patrick Peters3 MIN LESEDAUER17.11.2018

Fixed Income: Investoren sind bereit, alternative Wege zu gehen

Strukturierte Produkte sind eine interessante Anlageklasse und eröffnen für Investoren gute Möglichkeiten, mit individuell steuerbarem Risiko laufende Ausschüttungen beziehungsweise Gewinne zu generieren. Als Alternative Fixed Income sind sie deshalb auch für Semi-Institutionelle geeignet.

Feste Auszahlungen bei Investments (Fixed Income) sind für viele Anleger interessant, seien es Privatleute oder semi-institutionelle Investoren wie Stiftungen, Verbände und Pensionskassen. Früher war dies mit vergleichsweise sicheren Rentenpapieren möglich, doch diese Zeit ist vorbei. Die Umlaufrendite von zehnjährigen Bundesanleihen liegt aktuell bei 0,29 Prozent, also de facto null – und am Geldmarkt werden für größere Vermögen immer häufiger Negativzinsen von bis zu -0,4 Prozent fällig. Eine Gefahr für die Vermögenssubstanz von Stiftungen und Co., denen der Erhalt des Grundstockvermögens allein schon von Rechts wegen vorgeschrieben ist.

Diese Situation hat zu einem gestiegenen Interesse an alternativen Fixed Income-Strategien geführt. „Gerade eher konservative Anleger wollen nicht auf laufende Ausschüttungen verzichten. Aber ihnen ist die Schwierigkeit bewusst, dass dies mit den traditionell bekannten Instrumenten kaum noch möglich ist“, sagt Thomas Lenerz, Partner der unabhängigen Vermögensverwaltung Rhein Asset Management aus Wasserbillig (Luxemburg) und Düsseldorf. Die Asset Manager setzen daher als Ersatz für klassische Fixed Income-Strategien auf Zertifikate, die sie je nach Risikoprofil des Anlegers in den Depots einsetzen.

Die Erfahrung zeigt laut Thomas Lenerz, dass je nach Ausgestaltung der Zertifikate-Strategien Renditen möglich sind, die der Aktien-Performance nicht unähnlich sind. So rentiert ein Discount-Zertifikat* auf den Dax-Neuling Wirecard (ISIN: DE000TR32EY4) beispielsweise bei einer Seitwärtsrendite mit 8,72 Prozent im Rahmen der Laufzeit, das sind 9,86 Prozent im Jahr. Diese wird bar fällig, wenn der potenzielle Wertverlust der Wirecard-Aktie in dem Zeitraum bis 20. September 2019 18,65 Prozent nicht überschreitet.

Sollte die Verlustschwelle überschritten werden, erhält der Anleger die Aktie und profitiert dann wiederum vom späteren Erholung der Aktie und möglichen Dividendenzahlungen. Aufgrund des eingebauten preislichen Risikopuffers von 25,10 Prozent (der sogenannte Discount) tritt für den Anleger erst bei einem darüber liegenden Abschlag überhaupt beim Erhalt der Aktie ein Verlust ein.

Das klingt nach einem greifbaren Risiko: Schließlich sind massive Kurseinbrüche nichts Außergewöhnliches. Für Thomas Lenerz ist daher bewusstes und professionelles Risikomanagement immer die Grundlage beim Einsatz von Zertifikaten. „Wir erwerben keine Zertifikate auf Aktien, die wir nicht auch so kaufen würden. Das Konzept greift nur bei wirklich vertrauenswürdigen Werten, wir müssen von der Zukunftsfähigkeit überzeugt sein: Entweder wir erhalten eine überdurchschnittliche Rendite, wenn die Aktie steigt oder seitwärts läuft, oder wir erhalten für einen attraktiven Preis einen Wert, der ein ordentliches Steigerungspotenzial besitzt.“ So oder so: Ein geschickt ausgewähltes Zertifikat ist immer dafür geeignet, feste Ausschüttungen zu generieren. Denn selbst wenn der Anleger die Aktie erhält, generiert diese bei einem Substanzwert ein festes Einkommen in Form einer Dividende.

Apropos Risikomanagement: Für den Rhein Asset-Vermögensverwalter ist es besonders wichtig, das Emittentenrisiko im Blick zu behalten. „Zertifikate sind Inhaberschuldverschreibungen, bei denen bei der Insolvenz des Emittenten der Totalverlust drohen kann – man denke nur an die Lehman-Zertifikate und die Insolvenz der Bank. Daher prüfen wir bei allen Emittenten von Zertifikaten als internes Rating-Instrument die Credit Default Swaps. Der Preis des Kreditderivats gibt Aufschluss über die kurzfristige Bonität des Emittenten: je höher der Wert, desto schlechter. Bei Preisen jenseits von 100 erwerben wir keinerlei Papiere eines Emittenten mehr.“

Lenerz betont auch, dass sich Zertifikate sehr strukturiert als Ersatz für typische Geldmarktinstrumente einsetzen lassen. „Negativzinsen auf hohe Spareinlagen lassen grüßen. Gerade semi-institutionelle Investoren fürchten dies und sind daher bereit, alternative Wege zu gehen, um zumindest eine kleine positive Rendite zu erwirtschaften, mit deren fester Auszahlung sie rechnen können.“

So zum Beispiel* ein Classic Discount-Zertifikat auf den Euro Stoxx 50 (ISIN: DE000CV6XD33). Dieses lässt sich mit einem Sicherheitspuffer von fast 38 Prozent ausstatten. Die Rendite liegt dann zwar nur bei 0,4 beziehungsweise 30 Cent pro Zertifikat. Aber das Risiko, diese Ausschüttung nicht zu erhalten, existiere de facto nicht, sagt Thomas Lenerz. „Der Euro Stoxx 50 hat nie in seiner Geschichte einen solchen Verlust innerhalb von zwölf Monaten erlitten. Daher ist die Ausschüttung bei einem solchen Zertifikat quasi sicher.“ Manche Pensionskassen und Verbände hätten dreistellige Millionenbeträge in solchen Strategien, um aus den laufenden Auskehrungen Rentenzahlungen oder ähnliches zu leisten. „Bei semi-institutionelle Investoren mit einem sehr sicherheitsorientierten Ansatz kaufen wir Zertifikate nur auf große Indizes, um das Risiko bestmöglich zu minimieren und ein Fixed Income zu erreichen.“

Zugleich gehöre es laut dem Vermögensverwalter auch zum Konzept, eine hohe Flexibilität zu erhalten. Dies lasse sich am besten über die Laufzeit eines Zertifikats steuern. „Die Duration ist für uns ein wichtiges Kriterium. Wir wollen Kapital nicht allzu lange in einem Produkt binden, sondern sowohl bei Aktien und Renten als auch bei Strukturen immer die Möglichkeit haben, schnell und dynamisch auf Veränderungen der Kapitalmärkte reagieren zu können.“


*Die im Artikel als Beispiel aufgeführten Zertifikate sind exemplarisch anzusehen, die Kurse sind reine Indikationen. Die Produkte stellen keine Anlageempfehlung dar, sondern dienen zur Veranschaulichung der Funktionsweise eines Zertifikates.