Für viele Anleger sind Investmentfonds das einzig probate Mittel, um ihr Geld breitgefächert anzulegen. Aber häufig werden (zu) hohe Kosten der Produkte kritisiert. Und das offenbar zu Recht, wie eine aktuelle  Untersuchung („Statistical Report on Performance and Costs of EU Retail Investment Products“) der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde ESMA zeigt: Aktiv gemanagte Fonds haben sich in den vergangenen Jahren zwar besser entwickelt als passive Fonds. Aktive Fonds sind aber leider so teuer, dass Anleger davon nicht profitieren. Sie kosten im Schnitt 0,6 Prozent mehr als passiven Produkte – mit entsprechenden Auswirkungen auf die jährliche Bruttorendite.

Der deutsche Fondsverband BVI bewertet die jüngste ESMA-Studie zu Kosten und Wertentwicklung von Finanzprodukten für Privatanleger aber grundsätzlich positiv: „Die Studie der ESMA ist ein Beleg für die hohe Kosten- und Leistungstransparenz von Fonds“, sagt Thomas Richter, Hauptgeschäftsführer des BVI. „Erst die umfangreiche Datenlage konnte eine so detailreiche Studie ermöglichen. Sie ist nun eine gute Basis für den beabsichtigten EU-weiten Vergleich von Anlageprodukten.“ Was jetzt noch fehle, seien methodisch gleichwertige Studien zu Kosten und Leistungen von Konkurrenzprodukten.

Auch eine weitere aktuelle Studie belegt die Bedeutung von Kosten für die Performance. Wer Fonds mit unterdurchschnittlichen Kosten in seiner Anlageentscheidung bevorzugt, hat deutlich größere Chancen, eine über dem Durchschnitt der Peergroup des Produkts liegende Performance zu erzielen, heißt es in „Fondskosten – der Schlüssel einer erfolgreichen Fondsauswahl?“ von Unternehmensberater Bernd Baur (bbconsulting) in Zusammenarbeit mit dem Petersmann Institut für den unabhängigen Finanzberater.

Laut der Studie kostete ein weltweit investierter Aktienfonds zwischen Februar 2018 und Februar 2019 für Privatanleger durchschnittlich 1,50 Prozent jährlich, ein ETF lag bei 0,31 Prozent. Fonds, deren Kosten über dem Durchschnitt lagen, haben in der Fünf-Jahres-Betrachtung nur zu einem Anteil von knapp 28 Prozent eine Mehrrendite gegenüber der Peergroup erzielt. Fonds mit unterdurchschnittlichen Kosten hingegen haben dies zu fast 85 Prozent geschafft.

 

Schwerer Rucksack

„Es ist offensichtlich, dass die Höhe der Kosten, die einem Fonds belastet werden, nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigt, sondern auch die tatsächliche Leistungsfähigkeit des Portfoliomanagements überschattet. Fondsmanager, deren Fondskosten deutlich über dem Durchschnitt lagen, konnten in der Vergangenheit diesen Rucksack über ein aktives Management nicht mehr wettmachen. Darum gilt wie im ganzen Wirtschaftsleben: Der Gewinn eines Investments liegt im Einkauf“, stellt Baur heraus.

Interessant ist jedoch, dass Baur nicht fordert, nur noch in passive Instrumente zu investieren. Allein entscheidend sei der Umstand, dass die dem Fonds belasteten Kosten unter den durchschnittlichen Kosten der Peergroup zugerechneten Fonds lägen. Die Wahrscheinlichkeit, einen Outperformer zu finden, steige deutlich, wenn Berater und Anleger die Auswahl nur aus der Gruppe der generell günstigeren Fonds träfen: Das Ausschließen von teuren Fonds sei leicht umsetzbar und vielversprechend.

Die Untersuchung „Transaktionskosten in Fonds“ des Petersmann Instituts betont, dass es einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Kosten, Risiken und Performancequalität gibt. Die Qualität der Performance mache sich also nicht nur an der Höhe – relativ oder absolut – fest, sondern auch daran, wie nachhaltig sie sei, also zu welchem Preis sie erkauft werde beziehungsweise mit welchen Risiken sie einhergehe. Und dies sei eben mit den Gebühren eines Fonds eng verbunden – zumal herausgestellt wird, dass sich unter Berücksichtigung der Transaktionskosten mitunter eine neue Dimension in der Gesamtkostenbetrachtung von Fonds auftue, weil diese Transaktionskosten üblicherweise eben nicht in der „Total Expense Ratio“ (TER) inkludiert sei. Daraus folgt laut dem Studienautor Hartmut Petersmann (Geschäftsführer Petersmann Institut): Je niedriger der risikolose Zins und je konservativer die Anlegerbedürfnisse ausgerichtet sind, desto stärker schlagen hohe Kosten zu Buche.

 

Gebühren kosten Rendite

Auch Finanzberater betonen die Botschaft, dass geringe Gebühren der erste Schritt zu besseren Ergebnissen seien. Lothar Koch beispielsweise, Berater des Aktienfonds Target European L/S, sagt: „Kunden können leicht errechnen, welche Ergebnisse ein Fonds aufweisen muss, um ein nachhaltiges Plus nach Inflation, Steuern und Kosten zu erwirtschaften, wenn sie die Gebühren genau kennen. Sie werden dann schnell feststellen, dass bei vielen Fonds zwei oder mehr Prozent an Gebühren jährlich anfallen und die Chancen, damit noch eine positive Rendite zu erzielen, gering sind. Das gilt besonders bei Produkten mit hohen Ausgabeaufschlägen, die zusätzlich über die Laufzeit verteilt werden müssen.“

Hartmut Petersmann stellt in aller Deutlichkeit auch die Verantwortung der Berater heraus: „Der Berater, Vermögensverwalter beziehungsweise jemand, der für die Fondsselektion zuständig ist, ist gut beraten, wenn er sich sehr genau ansieht, unter welchen künftigen Umständen seine Kunden weitere Gebühren zu entrichten haben, außer den Kosten, die sie schon kennen.“ Um professionellen Beratern die bessere Ausgangssituation beim Kunden zu verschaffen, sei es notwendig, dass diese Profis genau wüssten, welchen Kosten tatsächlich anfielen.