Egal, ob langfristige Portfolio-Strategie oder kurzfristige Anlage-Taktik – der Branchen-Mix ist eine der zentralen Stellschrauben für Rendite und Risiko einer Aktien-Allokation. Das zeigt bereits der schnelle Blick auf die globalen Sektor-Indices von MSCI. Deren Grundlage ist der so genannte Global Industry Classification Standard (GICS), der sämtliche Börsenfirmen der Welt einem von elf Wirtschaftszweigen zuordnet. Und die haben in den vergangenen 25 Jahren höchst unterschiedlich abgeschnitten.

So steht für Gesundheit, Technologie und nichtzyklische Konsumgüter seit Anfang 1995 – in Euro und inklusive reinvestierter Dividenden – weit mehr als eine Verzehnfachung zu Buche. Mit Finanzen, Telekommunikation oder Grundstoffen hingegen sind Aktionäre in the long run deutlich schlechter gefahren als mit einem Investment in den marktbreiten MSCI World, der sich per saldo versiebenfacht hat.

Nahrungsmittel und Haushaltswaren als sicherer Hafen?

Ähnlich groß ist die Spannweite auf der Risikoseite, wo Technologie-Aktien mit einer Volatilität von fast 25 Prozent p.a. die stärksten Ausschläge verzeichnen – während der von der Wertentwicklung her nahezu ebenbürtige Healthcare-Sektor nur auf eine Schwankungsintensität von gut 16 Prozent p.a. kommt. Noch entspannter durfte sein, wer auf das gesetzt hat, was bei MSCI „nichtzyklischer Konsum“ heißt: Hier liegt die Volatilität über die vergangenen knapp 25 Jahre bei durchschnittlich 13,8 Prozent p.a.

Empirisch bestätigt wird der defensive Charakter von Nahrungsmittel- und Haushaltswaren-Herstellern auch durch ein anderes, für viele Anleger besser verständliches Risikomaß. Der Maximum Drawdown gibt den stärksten Rücksetzer gegen über einem (temporären) Höchststand an – quasi den Verlust, wenn man zu den schlechtestmöglichen Zeitpunkten ein- und ausgestiegen wäre.

Für nichtzyklische Konsumgüter liegt dieser Wert auf Euro-Basis bei 37,5 Prozent. Isoliert betrachtet wahrlich kein Pappenstiel, schließlich lag das Investment damit zwischenzeitlich über ein Drittel unter Wasser. Gleichzeitig ist das aber signifikant weniger als die 60 Prozent, die der MSCI World im vergangenen Vierteljahrhundert an Maximum Drawdown verkraften musste. Und immerhin drei von elf Sektoren – Finanzen, Kommunikation und Technologie – sind sogar mal um mehr als drei Viertel abgerutscht.


Sector Rotation: Jede Branche hat ihre Zeit

Dennoch ist Vorsicht angebracht, wenn Sektoren Etiketten wie „performancestark“, „risikoarm“ oder „nur für gute Nerven“ angehängt werden. Denn neben dem fundamentalen Profil von Branchen ändern sich mit der Zeit auch die Präferenzen der Börse. Das Phänomen dieser Sector Rotation wird visibel, wenn man die vergangenen 25 Jahre mal in die fünf übergeordneten Trendphasen – dreimal Hausse und zweimal Baisse – unterteilt.

So wurden Immobilien-Aktien in den 1990er Jahren geradezu verschmäht. Nur Grundstoffe sind während der Tech-Party bis Anfang 2000 schlechter gelaufen. In den anderen beiden Hausse-Zyklen waren bzw. sind die Betongold-Firmen dagegen ganz vorne dabei. Umgekehrt konnten zyklische Konsumtitel früher weder in guten noch in schlechten Zeiten mit Outperformance glänzen – erst im aktuellen, seit Anfang 2009 laufenden Aufwärtstrend laufen sie deutlich besser als der Gesamtmarkt.


Krasses Gefälle bei Bewertungen und Dividenden

Entsprechend krass sind die Unterschiede in der Bewertung. Energie-, Grundstoff- und Finanz-Titel werden derzeit im Durchschnitt nur mit dem 13- bis 15-fachen ihrer Gewinne gehandelt – während die Defensiv-Klassiker Gesundheit und nichtzyklischer Konsum mit Kurs/Gewinn-Verhältnissen von 22/23 fast an den Technologie-Sektor heranreichen.

Dividenden-Fans kommen derweil nicht um Energie- und Versorger-Aktien herum. Hier winken die höchsten Ausschüttungsrenditen, die allerdings auch ein Warnsignal sein können. Historisch jedenfalls war bei insbesondere bei Versorgern nicht viel mehr zu verdienen als die Ausschüttung: Der Gesamtertrag der letzten 25 Jahre resultiert zu drei Vierteln aus Dividenden und ihrer Reinvestition. Beim MSCI World halten sich Kurszuwächse und Ausschüttungen ungefähr die Waage, wobei neben den Tech-Werten überraschenderweise auch Gesundheit und zyklische Konsumgüter historisch stärker vom Aufwärtstrend der Börsen als von üppigen Dividenden profitiert haben.


CAPinside Serie: Branchen-Investments im Check

Auf jeden Fall ist diese Branchen-Bilanz Grund genug, die elf MSCI-Sektoren in den kommenden Wochen an dieser Stelle genauer unter die Lupe zu nehmen und dabei die wesentlichen fundamentalen Renditetreiber und Risikofaktoren herauszuarbeiten – und gleichzeitig zu prüfen, für wen und unter welchen Bedingungen ein Investment derzeit strategisch und/oder taktisch Sinn macht.