Private Equity, also außerbörsliches, privates Beteiligungskapital, wird in Deutschland als Investitionsform immer wichtiger. Im Jahr 2018 wurden in Deutschland Private Equity-Investitionen in Höhe von rund 9,6 Milliarden Euro verzeichnet. Das ist ein interessantes Modell für Unternehmen, die auf der Suche nach einem Investor für eine Wachstumsfinanzierung oder andere unternehmerische Projekte sind. Und genauso profitieren Anleger – denn Private Equity hat sich zu einer sehr begehrten Investmentklasse entwickelt.

Warum? Das lässt sich beispielsweise an Zahlen von Goldman Sachs Asset Management ablesen, dem Vermögensverwalter der gleichnamigen US-Großbank. Das „GSAM Insurance Survey 2019“, also die jährliche globale Versicherungsstudie, zeigt, dass weltweite Versicherungsgesellschaften Private Equity als diejenige Anlageklasse einschätzen, die in den kommenden zwölf Monaten die höchsten Renditen verheißt. Berechnungen des gemeinnützigen Brüsseler Datenanbieters „Invest Europe“ zeigen, dass Ende 2018 in Europa 80,6 Milliarden Euro in Private Equity-Anlagen investiert waren. Laut der Statistik der Belgier ist das ein neuer Rekord, das investierte Kapital wuchs im Vergleich zum Vorjahr um sieben Prozent an.

 

Weiter auf dem Vormarsch

Und die Studie „European Private Equity Activity 2018“ von Invest Europe belegt, dass Private-Equity-Fonds inzwischen in mehr als 7.800 Unternehmen investiert sind, die meisten davon kleine und mittlere Firmen: „Europa ist voll von Unternehmen mit innovativen Geschäftsmodellen, und Private Equity wird von expansionsfreudigen Unternehmen immer häufiger als hilfreicher Partner betrachtet“, erklärt Michael Collins, Chef von Invest Europe.

Zumal auch die Rendite stimmt. Spitzenfonds erzielen Renditen von bis zu 20 Prozent. Die Überrendite von Private Equity-Anteilen gegenüber Aktien sollte nach Einschätzung von Experten bei rund fünf Prozent liegen. Chirag Patel, Head of Research & Advisory EMEA bei State Street Global Exchange in London, rechnet damit, dass sich die durchschnittlichen jährlichen Renditen in den nächsten Jahren in einer Range von zwölf bis 16 Prozent bewegen werden. Das Gut daran: Die Rendite hängt nicht unmittelbar von der Entwicklung der Aktienmärkte ab, die häufig durch psychologische Faktoren getrieben werden, sondern vom Erfolg des Unternehmens. Daraus folgt auch, dass Private Equity-Investments so gut wie keine Volatilität aufweisen.

 

Auch für den kleinen Geldbeutel

Das Problem jedoch lautet: Viele Private Equity-Investments sind für Privatanleger de facto unzugänglich. „Wer sich direkt an Unternehmen beteiligen und sein Portfolio etwas diversifizieren will, braucht einen hohen zweistelligen Millionen-Betrag. Niedriger sind die Mindestanlagen bei Private-Equity-Fonds, die sich an institutionelle Anleger richten. Sie verlangen zwischen fünf und 20 Millionen US-Dollar“, heißt es beim digitalen Vermögensverwalter Liqid, der Privatanlegern jedoch Zugang zu den renommiertesten Private Equity-Fonds verspricht. Ab 200.000 Euro können sie sich an einem breit diversifizierten Private Equity-Portfolio beteiligen.

Einen ähnlichen Weg beschreitet das Fintech Moonfare, das es Privatanlegern ermöglicht, in Private Equity-Fonds zu investieren. Die Mindestanlagesumme liegt bei 100.000 Euro, in Deutschland aus regulatorischen Gründen bei 200.000 Euro. Die Investoren beteiligen sich über eigens kreierte Investmentvehikel in Luxemburg an bekannten Fonds.

Auch Circle Eleven aus München bündelt die Gelder der Privatanleger ab einer Mindestsumme von 200.000 Euro und ermöglicht so den Zugang zu namhaften Private Equity-Fonds wie Carlyle, Advent und BC Partners. Ebenso vertreibt Astorius Capital aus Hamburg Private Equity-Dachfonds, die für Anleger ab 200.000 Euro offenstehen.

 

Hohe Kosten können die Rendite fressen

Doch viele der Beteiligungskapital-Investments haben das Problem, dass sie sehr teuer sind. Studien zufolge summieren sich die Gesamtkosten im Schnitt auf rund sechs Prozent pro Jahr. So klagt beispielsweise der der Chefanlagestratege des Yale-Stiftungsfonds David F. Swensen, dass die meisten Fonds wegen ihrer hohen Kosten nicht die gewünschte Rendite bringen würden. Es gibt aber auch Alternativen zu sehr hohen Kosten: Bei Circle Eleven beispielsweise fällt einmalig eine zweiprozentige Gebühr auf die Anlagesumme vorab und später eine achtprozentige Gewinnbeteiligung an. Liqid wiederum berechnet etwa den Angaben zufolge beim Fonds „Liqid Private Equity Vintage II“ eine Bestandsgebühr von 0,72 Prozent auf das investierte Kapital. Agio oder erfolgsabhängige Gebühren fallen nicht an

Wichtig: Wer in Private Equity investieren will, braucht einen langen Atem. Die Laufzeit eines typischen Fonds beträgt zehn bis zwölf Jahre. Das ist vor allem darin begründet, dass „Beteiligungsfonds ihre Portfoliounternehmen heute operativ weiterentwickeln, was sich auch in den immer längeren Halteperioden zeigt. Nennenswerte Gründe dafür sind, unter anderem, die hohen Preise auf dem Transaktionsmarkt, die vermehrt operativ-fokussierte Equity-Stories voraussetzen. Nur so können die Beteiligungsgesellschaften die notwendigen Renditen erzielen“, sagte dazu der Private Equity-Experte Steve Roberts von der Beratungsgesellschaft PwC.