Family Office: Wer diesen Begriff hört, denkt gleich an hochvermögende Familien, den alten Geld- und Industrieadel und einen Stab von Mitarbeitern, die sich wie die Finanzabteilung des Unternehmens um alle Belangen rund um die komplex strukturierten und weit verteilten Vermögenswerte und die Details der natürlich anspruchsvollen und umfassenden Vermögensstrategie kümmern.


Nicht nur eine Sache für die Großen

Das ist aber nur die eine Seite. Denn Family Office-Dienstleister öffnen sich seit geraumer Zeit auch nach unten, um Vermögensinhabern in unteren und mittleren Klassen ähnliche Services zur Verfügung zu stellen, wie die sehr Vermögenden klassischerweise in Anspruch nehmen. Damit bilden diese Dienstleister eine weitere Gruppe neben über die Multi Family Offices hinaus, die sich in der Regel um einige Familien kümmern, die sich kein Single Family Office leisten können.

Der Krefelder Rolf Klein bezeichnet dieses Konzept als „Small Cap Family Office“ und sagt dazu: „Auch Inhaber von Vermögen in der Größenordnung zwischen 500.000 und drei Millionen Euro sowie Unternehmer mit bis zu fünf Millionen Euro Jahresumsatz benötigen eine individuelle und professionelle Beratung bei ihren Vermögensangelegenheiten, erhalten diese aber üblicherweise überhaupt nicht beziehungsweise nur sehr eingeschränkt. Wir machen klassische Family Office-Dienstleistungen in diesem Segment zugänglich.“ Dabei bezieht er sich vor allem auf Services wie Vermögensreporting und -controlling (über eine Cloud-basierte Software) zur laufenden Konsolidierung aller Vermögenswerte und Kontrolle des Vermögensmanagements sowie die Vermögensstrategie, Vermögensstrukturanalyse, Vermögensallokation und Vermögensnachfolge.x

Das seien Leistungen, die nicht nur Vermögende mit einem zweistelligen liquiden Vermögen zuzüglich Immobilien, Beteiligungen und Co. benötigten, sondern eben alle Menschen mit einem etwas überdurchschnittlichem Anlagevermögen – beispielsweise einem Wertpapierdepot mit einigen 100.000 Euro, einer Renditeimmobilie und einer Sachwert-Anlage. „Dadurch kann das Vermögen leicht auf mehr als eine Million Euro steigen und bedarf daher einer professionellen Begleitung, um sich gut geschützt weiterentwickeln zu können. Aber gerade die Banken haben sich aus der Beratung im unteren und mittleren Segment zurückgezogen, sodass solche Mandanten kein ganzheitliches Vermögens- und Finanzmanagements mehr bekommen“, betont Rolf Klein.


Der Trend Dienstleistungen für kleine und mittlere Vermögen anzubieten

Auch der bekannte Family Office-Spezialist Dr. Maximilian A. Werkmüller, Rechtsanwalt und Professor für Family Office-Management an der Allensbach Hochschule Konstanz, hat diesen Trend erkannt. „Family Office-Dienstleistungen werden mehr und mehr für kleine und mittlere Vermögen angeboten. Hier findet schon seit einiger Zeit eine Kommoditisierung statt, also eine gewisse Standardisierung von Dienstleistungen auch durch neue technische Lösungen und damit auch eine andere preisliche Darstellbarkeit für die Mandanten. Insofern liegen Family Office-Konzepte für Small Cap-Kunden ‚in der Zeit‘. Ich gehe davon aus, dass der Markt in Zukunft wachsen wird.“

Ebenso spielt der Small Cap Family Office-Gedanke für den Berliner Vermögensberater Achim Teske eine wichtige Rolle. Er tritt für Kunden als „trusted advisor“ in allen Vermögensangelegenheiten auf, kümmert sich dabei auch um die liquide Geldanlage und stellt Netzwerke für angrenzende Fragestellungen her, etwa im Immobilienbereich. „Der Kunde möchte einen Sparringspartner für seine Themen haben, der nicht auf die Bereitstellung eines Investmentprodukts konzentriert ist, sondern sie transparent berät und ihnen die Sicherheit gibt, dass keine wichtigen Bereiche unbeachtet bleiben. Dafür sind sie auch bereit, ein angemessenes Honorar zu zahlen, da die Mehrwerte schnell sichtbar werden. Transparenz ist der erste Schritt, um Vertrauen zu aufzubauen. Im Gegensatz zur konventionellen Finanzberatung verzichten wir ausdrücklich auf Provisionen und versteckte Zahlungen Dritter.“

Eine wirkliche Untergrenze für die Beratung hat Teske nicht eingezogen. Sein Credo lautet vielmehr, niemandem auszuschließen. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele Kunden zunächst die Leistungsfähigkeit testen möchten und mit einem kleinen Teil des Vermögens starten. Wer sich dann bewährt, hat natürlich die Chance, ein weitaus größeres Ticket zu erhalten“, betont Achim Teske.