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DAS INVESTMENTGlobal3 MIN LESEDAUER13.02.2018

Multi-Asset-Fonds mit Income-Komponente: „Gute Erfahrungen mit Infrastruktur-Anlagen“

Jacob Vijverberg, Fondsmanager des Kames Global Diversified Income Fund (ISIN: IE00BYYPFH06), über den Reiz von Schwellenländer-Corporates und Infrastruktur-Assets, französische Autos auf der Überholspur und die uneingeschränkte Flexibilität seiner schlagkräftigen Truppe.

Herr Vijverberg, Ihre Einschätzung zur Performance des Kames Global Diversified Income Fund im vergangenen Jahr?

Jacob Vijverberg: Insgesamt ist das vergangene Jahr gut gelaufen, vor allem der Aktienmarkt sticht heraus. Der Fixed-Income-Teil unseres Portfolios hat sich ebenfalls gut entwickelt: Die herausragende Performance der Finanztitel hat dazu beigetragen. Auf Jahressicht hat unser Multi-Asset-Fonds mehr als 9 Prozent zugelegt.

Neben Finanztiteln legten im vergangenen auch IT-Titel besonders stark zu. Wie stehen Sie zu IT-Titeln?

Vijverberg: Wir sind an einigen IT-Unternehmen beteiligt, darunter Tokyo Electron, ein großer Maschinenbauer für die Halbleiterindustrie. Aktien von Apple-Zulieferern haben sehr überzeugende Ergebnisse geliefert. Zum Ende des Jahres hin schwächelte der Sektor jedoch ein wenig. Dafür haben die Titel anderer Unternehmen, vor allem in Asien, zugelegt, etwa Tencent und Alibaba. Generell ist unser Exposure im IT-Sektor jedoch nicht sehr groß.

Wo haben Sie Anpassungen im Portfolio vorgenommen?

Vijverberg: Viele Asset-Klassen sind sehr gut vorangekommen. Es wird für die Märkte schwierig, diese Performance zu wiederholen. Wir haben daher einige Umbauten im Portfolio vorgenommen. Bei Finanztiteln haben wir Gewinne realisiert und unsere Positionen zurückgefahren. Derzeit erhöhen wir den Anteil von Unternehmensanleihen aus Schwellenländern. Ein spezialisiertes Team in Edinburgh betreut den neuen Schwerpunkt im Portfolio.

Welche Sektoren stoßen bei Corporate Bonds aus den Schwellenländern auf Ihr besonderes Interesse?

Vijverberg: Wir haben eine Anleihe des brasilianischen Kupferproduzenten Vale gekauft und erhöhen damit unsere Gewichtung bei Rohstoffen. Ebenfalls interessant sind Anleihen von Energiekonzernen, die genau wie Rohstoffproduzenten vom verstärkten globalen Wachstum profitieren dürften.

Worauf achten Sie bei den Unternehmen, für deren Anleihen Sie sich interessieren?

Vijverberg: Die Konzerne müssen eine starke Marktposition haben. Sie sollten von den Regierungen der Länder, in denen sie tätig sind, in ihrer Arbeit unterstützt werden. Nicht zuletzt müssen ihre Kupons durch ihre Cashflows gedeckt sein.

Worauf setzen Sie im Bereich alternative Assets? Dieses Segment macht im Kames Global Diversified Income Fund einen nicht geringen Anteil aus.

Vijverberg: Wir haben unsere Infrastruktur-Anlagen weiter ausgebaut. Im Gegenzug haben wir Leasing-Assets bei Flugzeugen zurückgefahren. Lag Leasing in unserer Allokation zunächst bei 5 Prozent, sind wir jetzt bei 2 Prozent. Der Hintergrund: Viele Leasing-Verträge für Flugzeuge laufen demnächst aus, die Gesellschaften müssen neue Leasing-Partner finden. Wir fühlen uns hier mit einer weitgehenden Positionierung an der Seitenlinie derzeit sicherer.

Hat Kames auch im Segment Immobilien Änderungen vorgenommen?

Vijverberg: Ja, Anpassungen sind hier unumgänglich, denn wir sind hier breit aufgestellt. Ein Team in Den Haag kümmert sich speziell um dieses Portfolio-Segment. Schon vor längerer Zeit haben wir Einzelhandel-Immobilien abgestoßen; vor dem Hintergrund, dass sich Einzelhandel immer mehr ins Internet verlagert. Shopping-Malls in den USA sind ebenfalls immer weniger gefragt, viele von ihnen stehen vor der Pleite.

Statt auf Einzelhandelsimmobilien setzen wir verstärkt auf Logistikimmobilien. Es besteht eine große Nachfrage in diesem Bereich – eben weil sich Online-Shopping in der Breite so stark durchgesetzt hat. Angesichts der sehr hohen Preise bei Wohnimmobilien in Deutschland halten wir uns zurück – wir sind hier nicht mehr der First Mover, gelinde gesagt.

2017 ist gut gelaufen, im neuen Jahr wird das Geld sicherlich nicht mehr so einfach verdient. Welche Chancen sehen Sie 2018?

Vijverberg: Wir haben gute Erfahrungen mit Infrastruktur-Anlagen gemacht. Wir halten Anteile von Mautstraßen, zum Beispiel in Spanien, aber auch in Kanada und den USA. Eine unserer Beteiligungen beinhaltet auch einen Anteil am Flughafen Heathrow in London. Die Einnahmen erhöhen sich hier mit dem zunehmenden Passagier- und Frachtverkehr.

Gute Aussichten sehen wir auch bei den Autokonzernen Daimler und Renault. Letzterer hat in den vergangenen Jahren kräftig umgebaut und zum Wachstum zurückgefunden. Aufgrund der Allianz von Renault, Nissan und Mitsubishi nimmt die Gruppe für sich den Titel in Anspruch, neben VW größter Autobauer der Welt zu sein. Nissan ist ein Vorreiter in der Elektromobilität, denken Sie an den Nissan Leaf. Dieses Know-how wird dem französischen Partner zugutekommen: Das niedrige KGV von Renault, derzeit noch bei 7, bildet das gewaltige Potenzial noch bei weitem nicht ab. Wir werden deshalb an diesem Titel festhalten.

Welche Risiken sollten Anleger im Blick behalten?

Vijverberg: An erster Stelle ist hier die Notenbankpolitik zu nennen. Sie scheint straffer zu werden. Die Fed plant für das laufende Jahr weitere Zinsschritte, es könnten möglicherweise drei werden. Generell hat der Markt Risiken lange Zeit ignoriert.

Sollten Anleger Mischfonds deshalb wieder eine besonders ausgeprägte Aufmerksamkeit widmen?

Vijverberg: Der große Vorteil von Multi-Asset-Fonds ist darin zu sehen, dass sie so flexibel sind. Wir können kontinuierlich eingreifen, wenn es Verschiebungen an den Finanzmärkten gibt. Wir können aus einem breiten Spektrum von Assetklassen diejenigen auswählen, die uns am vielversprechendsten erscheinen.

Salopp formuliert, können Sie also nicht nur die eine oder andere Kanone einsetzen, um treffsicher an den Märkten mitzumischen, sondern gleich eine ganze Artillerie.

Vijverberg: Um in Ihrem Bild zu bleiben: Uns steht eine ganze Armee zur Verfügung. Rund 100 Spezialisten tragen zu den guten Ergebnissen des Kames Global Diversified Income Fund bei. Wir wählen aus deren unterschiedlichen Ansätzen denjenigen aus, der uns am meisten geeignet erscheint. Wir können Wertsteigerungspotenzial erkennen. Und es im Sinne unserer Anleger nachhaltig nutzen.