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Gerd Hübner 3 MIN LESEDAUER11.12.2018

Private Debt – spannende Alternative in schwierigem Zinsumfeld

Die Unternehmensfinanzierung über einen Kredit von privaten Investoren, das so genannte Private Debt, gewinnt hierzulande immer mehr an Bedeutung. Für Anleger eine gute Nachricht: Denn die Anlageklasse ist attraktiv verzinst und weist interessante Konditionen auf.

Auch wenn die Phase der ultralockeren Geldpolitik langsam zu Ende geht, von attraktiven Renditen im Anleihebereich sind wir immer noch ein gutes Stück entfernt. Dazu kommt, dass steigende Rendite Kursverluste bei festverzinslichen Wertpapieren mit sich bringen. Nach wie vor sind Anleger deshalb händeringend auf der Suche nach Alternativen. Eine solche Alternative könnte Private Debt sein, das hierzulande zunehmend mehr Aufmerksamkeit erhält.

Ein Grund dafür, dass diese Form der Finanzierung an Beliebtheit gewinnt, sind die strengeren regulatorischen Vorgaben. So schreibt Basel III erhöhte Anforderungen an die Eigenkapitalhinterlegung  für Banken vor. Und das verteuert die Kreditvergabe an die Unternehmen für die Banken. „Dieser Rückzug  aus dem Kreditgeschäft hat eine spürbare Finanzierungslücke bei vielen Unternehmen hinterlassen“, berichtet Valentin Bohländer vom Family Office HQ Trust. Wer Übernahmen oder künftiges Wachstum finanzieren will, Investitionen stemmen oder bestehende Schulden refinanzieren muss, der braucht deshalb eine neue Kapitalquelle. „Und er findet sie immer häufiger unter dem Label Private Debt“, sagt der Experte.

Dabei geht es um die direkte Kreditvergabe von privaten Investoren an Firmen. Das heißt, Anleger treten als Kreditgeber auf und stellen den Firmen die nötigen Mittel bereit, ohne Zwischenschaltung eines Intermediärs wie einer Bank. Der Geldgeber verhandelt die Konditionen direkt mit dem Kreditnehmer. „Während in den USA die Unternehmen immer schon nur ein Viertel ihres Kapitalbedarfs über Bankkredite finanziert haben und drei Viertel über den Kapitalmarkt oder eben über direkte Privatkredite liefen, haben deutsche Firmen bis zur Finanzkrise über 60 Prozent ihres Kapitalbedarfs über die Hausbank finanziert“, erläutert Jan Hoffmann, Analyst für Private Equity und Private Debt bei HQ Trust.

Starkes Wachstum

Für Deutschland und viele andere europäische Länder, wo der Gang zur Hausbank bei Unternehmen Tradition hat, ist dieser Markt Neuland. Doch jetzt wächst der Private-Debt-Bereich in Europa. Im vergangenen Jahr sammelten Firmen laut dem Datenanbieter Preqin über Private Debt 45 Milliarden Dollar ein. Im Jahr 2010 waren es gerade einmal sechs Milliarden Dollar.

Dass Private Debt derzeit boomt, liegt aber nicht nur an den Unternehmen, sondern auch an den Investoren.  Sie suchen nach Anlagen mit attraktivem Chance-Risiko-Verhältnis. Sie sollen weniger Risiko als Aktien bergen, aber mehr Rendite bringen als Anleihen. Genau das kann Private Debt leisten. „Dort“, informiert Jan Hoffmann, „können Investoren je nach Risiko mit Renditen von drei Prozent bei sicheren Schuldner aus dem AAA-Bereich bis in den zweistelligen Bereich im High-Yield-Segment rechnen.“

Dass diese höher verzinst sind, hat einen einfachen Grund. Private Debt kann nicht einfach über den Markt verkauft werden. Das heißt, der Anleger muss das Papier über die gesamte Laufzeit von in der Regel fünf bis sieben Jahren halten. Dazu kommt, dass Kredite eine höhere Komplexität aufweisen. Dafür und für die geringere Liquidität erhalten Anleger einen Aufschlag bei der Rendite.

Geringe Korrelation lockt

Und es bietet noch einen weiteren Vorteil, wie Han Rijken, Leiter Specialised Fixed Income bei NN Investment Partners, erläutert: „Die Korrelation zu traditionellen, börsennotierten Anlageklassen ist oft gering, weil hier ganz andere Schuldner eine wichtige Rolle spielen. Der Fixed-Income-Teil eines Portfolios kann so besser diversifiziert und das Gesamtdepot besser ausbalanciert werden.“ Dazu kommt, dass Private Debt üblicherweise variabel verzinst ist. Meist wird ein Aufschlag auf den Drei-Monats-Geldmarktsatz in US-Dollar bezahlt. Steigt dieser Satz, weil die US-Notenbank ihre Leitzinsen erhöht, klettert der Zinskupon mit. Investoren gehen also ein geringes Zinsänderungsrisiko ein.

Einen Haken gibt es allerdings: Denn dass immer mehr Kapital in diesen Bereich fließt, schwächt die Verhandlungsposition der Kreditgeber. Laut Schätzungen von Preqin verfügten Private-Debt-Fonds Ende 2017 über rund 234 Milliarden Dollar an ungenutzten liquiden Mitteln, dem so genannten Dry Powder. „Das sind Mittel, die angelegt werden wollen und die hart um die attraktivsten Investments konkurrieren“, macht Hoffmann klar. Anders formuliert: Investoren reißen sich derzeit um die besten Deals.

Sehr gute Schuldner, die für Investoren besonders attraktiv sind, finden sich deshalb in einer sehr komfortablen Verhandlungsposition. Sie können nicht nur ihre Vorstellungen bezüglich der jeweiligen Kreditklauseln durchsetzen, sondern erhalten den Kredit auch günstiger als in der Vergangenheit. Wer also hohe Renditen erzielen will, muss folglich auch in diesem Segment inzwischen stärker ins Risiko gehen. „Es gibt ja verschiedene Rangfolgen bei Private Debt“, erklärt Hoffmann. „Zum einen erstrangig besicherte Papiere, das so genannte Senior Debt. Das ist vergleichsweise sicher, dafür liegen die Renditen in der Regel auch nur zwischen drei und sechs Prozent.“

Mehr bringen nachrangig besicherte Papiere, also Junior Debt oder Subordinated Debt. „Dort sind noch Renditen im niedrigen zweistelligen Bereich möglich. Aber entsprechend höher ist natürlich auch das Risiko“, so der Experte weiter.  Daran zeigt sich, wie vielfältig der Markt ist. Das heißt, Anleger können je nach Risikoneigung ertrag- und risikoreicher, eher sicher oder ausgewogen investieren. Zwar müssen Anleger dies bislang über geschlossene Fonds tun. Angesichts der Vorteile, die diese Anlageklasse bietet, könnte das aber eine Überlegung wert sein.