Der Trend ist unübersehbar. Die Bedeutung nachhaltiger Strategien in der Geldanlage wächst. Immer mehr Investoren wollen ESG-Faktoren (Environmental, Social, Governance) in ihren Investmententscheidungen berücksichtigen. Und die Fondsanbieter reagieren entsprechend mit neuen Produkten, die Umwelt-, soziale und Governance-Faktoren beachten.
Laut einer aktuellen Analyse der Ratingagentur Scope stehen deutschen Anlegern derzeit knapp 650 Investmentfonds zur Verfügung, die explizit auf Nachhaltigkeitsaspekte abstellen. Zusammen verwalten die Fonds derzeit knapp 158 Mrd. Euro. 85 Prozent der Fonds werden aktiv gemanagt. Die passiven Ansätze teilen sich auf knapp 50 Fonds mit Asset under Management von zusammen neun Mrd. Euro auf.

Während die Mehrzahl der Anbieter nur einige wenige Fonds mit Nachhaltigkeitsbezug in ihren Produktpaletten haben, kommen der Scope-Studie immerhin 14 Fondsgesellschaften auf jeweils mindestens zehn Fonds. Mit BNP Paribas Asset Management, Union Investment, Candriam und Bank J. Safra Sarasin haben vier Anbieter sogar jeweils mehr als 20 nachhaltige Fonds im Angebot.

 

Noch viel Luft nach oben

David A. Reusch, Vorstandsvorsitzender des Corporate Responsibility Interface Center (CRIC), einem Verein zur Förderung von Ethik und Nachhaltigkeit bei der Geldanlage, erwartet, dass sich der Anteil der ethisch-nachhaltigen Geldanlagen signifikant erhöhen wird – wenn auch von einem niedrigen Niveau aus. „Im Moment sprechen wir von einem Anteil von vielleicht drei Prozent des Marktvolumens, wenn überhaupt. Ich hoffe, dass wir in den nächsten fünf bis zehn Jahren auf mindestens zehn Prozent kommen. Es ist gerade viel in Bewegung, aber es ist noch sehr viel Luft nach oben“, so Reusch.
Vor allem von Seiten der Regulatorik erhoffen sich viele Experten einen weiteren Schub, so etwa von der Aktionärsrechterichtlinie, der Pensionsfondsrichtlinie auf EU-Ebene oder der CSR-Richtlinie, wonach kapitalmarktorientierte Unternehmen, Versicherungen und Kreditinstitute ab einer gewissen Größe verpflichtend einen Nachhaltigkeitsbericht über das abgelaufene Geschäftsjahr vorlegen müssen.

 

Neue grüne Regeln

Zusätzlichen Rückenwind dürfte vom Gesetzpaket der EU-Kommission zur Förderung eines nachhaltigen Finanzsystems kommen. Der jüngst vorgelegte Entwurf der Kommission will wichtige Weichen zur Förderung nachhaltiger Investitionen in der EU stellen. Es geht dabei um neue Regeln für Banken, Vermögensverwalter und Pensionskassen, strengere Transparenzpflichten sowie neue Befugnisse für Aufsichtsbehörden. Zum Beispiel sollen Fondsgesellschaften und andere Finanzmarktteilnehmer künftig in den Verkaufsunterlagen darüber informieren, wie sie mit ESG-Risiken in ihren Portfolien umgehen.

„Investoren finden nachhaltige Geldanlage gut, doch wenn man die Frage stellt, warum der Marktanteil nur drei Prozent beträgt, dann sagt der Anbieter, der Kunde fragt es nicht nach, und der Kunde sagt, mir wird es nicht angeboten“, berichtet CRIC-Chef Reusch von seinen Erfahrungen. „Regulatorische Vorgaben wären hier eine Hilfe, um das Dilemma aufzulösen - weil man es einfach machen muss.“