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Heino Reents3 MIN LESEDAUER06.11.2018

Rentenmarkt im Fokus: Fixed Income-Experte nordIX über Chancen und Risiken in Mexiko

Auf der Suche nach ein bisschen mehr Ertrag weichen Anleihe-Investoren zusehends auch auf Schwellenländer aus. In den Fokus gerückt ist zuletzt Mexiko. Jens Franck vom Anleihe-Experten nordIX aus Hamburg bewertet Chancen und Risiken.

Mexiko ist derzeit in den Schlagzeilen wegen des Flüchtlingsstroms Richtung USA. Was bedeutet das aus Investorensicht?

 

Franck: Es gibt eine sehr hohe Anzahl an Flüchtlingen, die aus Zentralamerika in die USA wollen und Mexiko als Transitland benutzen.

Die Lage spitzt sich nach den jüngsten Ankündigungen von US-Präsident Donald Trump zu. Er will zur Abschreckung mehr als 10.000 weitere Soldaten an die Grenze zu Mexiko schicken. Wir empfinden dies in erster Linie als Versuch im Vorfeld der Zwischenwahlen Wählerstimmen zu mobilisieren. Somit sollte die Situation zwar nicht unterschätzt, aber auch nicht überbewertet werden.

 

Wie schätzen Sie generell die Situation in Mexiko ein?

Franck: Sehr heterogen. Mexiko gehört zu den 15 größten Volkswirtschaften der Welt, ist OECD-Mitglied und hat etwa 130 Millionen Einwohner, davon lebt aber etwa die Hälfte in Armut. Bemerkenswert ist auch die hohe Anzahl an Flüchtlingen, unter anderem aufgrund der anhaltenden Bedrohung durch die Drogenkartelle. Bereits jetzt leben mehr als 11 Millionen mexikanische Immigranten in den USA, etwa die Hälfte davon illegal. Betrachtet man jedoch die Fundamentaldaten, dann ist vor allem die weitreichende Liberalisierung und die stark exportorientierte Wirtschaft hervorzuheben. Die USA ist wichtigster Handelspartner. Mehr als 80 Prozent der Exporte gehen in die USA.

 

Das bedeutet eine große Abhängigkeit von den USA und der Politik von Trump, oder?

Franck: Ja, die mangelnde Diversifizierung der exportorientierten Wirtschaft ist ein Thema. Andererseits wird Mexiko  weiterhin eine hohe geostrategische Wichtigkeit für die USA haben. Dies gilt natürlich im Besonderen auch für international tätige Unternehmen, die in Mexiko produzieren, ihre Waren weiterverarbeiten und in die USA exportieren. Zudem hat zunehmend die Diversifizierung der Handelsbeziehungen eine hohe Priorität, so soll das Wirtschaftsabkommen mit der EU erweitert werden.

 

Die mexikanische Währung geriet zuletzt unter Druck. Warum?

Franck: Die zuletzt gesehene Schwäche des Peso ist vor allem bedingt durch das Votum, den mehrere US-Milliarden teuren Flughafen in Mexiko City nicht weiterzubauen. Bei der nicht bindenden Abstimmung hatten sich 70 Prozent gegen den Airport ausgesprochen. Dies wurde vom Markt nicht gut aufgenommen, und der mexikanische Aktienindex IPC verlor 4,2 Prozent. Grundsätzlich bleiben Investoren unsicher, nachdem der Linkspolitiker Obrador die Präsidentenwahl 2018 gewonnen hat. Auch wenn sich mittlerweile die wirtschaftspolitischen Aussagen dem Establishment annähern, bleibt sein geplanter Umstrukturierungsprozess ein Unsicherheitsfaktor. So sollte bei Investitionen in mexikanische Emittenten auf ausreichende Exportdiversifizierung geachtet werden.

 

Und die weiteren Rahmenbedingungen?

Franck: Die veröffentlichten makroökonomischen Daten waren zuletzt nicht eindeutig. Das BIP-Wachstum wuchs im dritten Quartal 2018 im Vergleich zum Vorjahr um 2,6 Prozent. Aufgrund bestehender Inflationssorgen ist der Leitzins mit 7,75 Prozent auf dem höchsten Niveau seit zehn Jahren. Grundsätzlich ist Mexikos Volkswirtschaft auf einem soliden Weg. Eine anhaltende Schwäche der Emerging Markets dürfte auch Mexiko belasten, aber aufgrund der US-Abhängigkeit und den Fortschritten beim Freihandelsabkommen weniger stark treffen. Die aktuellen politischen Entwicklungen in Südamerika, allen voran Brasilien und Argentinien sollte Mexikos Wirtschaft gut abfedern können. Dennoch bleiben die wirtschaftspolitischen Entwicklungen ein Unsicherheitsfaktor, was unter anderem dazu führte, dass die Ratingagentur Fitch den Outlook von Stabil auf Negativ gesenkt hat.

 

Wie ist nordIX aktuell in Mexiko positioniert?

Franck: Unsere nordIX-Fonds sind derzeit kaum in Mexiko-Anleihen investiert. Wir haben den Markt aber weiter im Fokus. Nach unserer Einschätzung sind staatsnahe Emittenten – unter anderem der staatliche Mineralölkonzern PEMEX – interessant. Das Unternehmen profitierte vom zuletzt steigenden Ölpreis. Hinzu kommen stabile Zahlen im dritten Quartal mit deutlichen Verbesserungen. Hier konnten wir im Rahmen unserer Einzeltitelanalyse einen Tausch umsetzen, der uns einen attraktiven Pick-Up gegenüber ausstehenden Anleihen generieren konnte. Im nordIX Treasury plus haben wir die Fomento Económico Mexicano im Bestand. Es ist der größte Getränkehersteller in Lateinamerika und unter anderem einer der größten Abfüller von Getränken der Coca-Cola-Company. Die EUR-Senioranleihe mit A- Rating, die 2023 fällig ist, bietet aktuell fast 70 Basispunkte Mehrverzinsung über der Swapkurve. Die Zahlen zum dritten Quartal waren über den Analystenerwartungen. Wir gehen von einer weiterhin positiven Entwicklung des Unternehmens aus.

 

Welche Papiere halten Sie sonst für attraktiv?

Franck: CEMEX, den drittgrößten Zementhersteller der Welt. Der Baustopp des Flughafens hat nach Unternehmensangaben keine nennenswerten Auswirkungen auf die Geschäfte, wir erwarten zumindest beherrschbare Risiken. CEMEX ist geographisch sehr gut diversifiziert und generiert einen großen Teil des Umsatzes im Ausland. Aus diesem Grund sollten sich CEMEX-Anleihen bei erhöhter Marktvolatilität des Gesamtmarktes relativ stabil entwickeln. Das Unternehmen ist auf einem guten Pfad, seine Bonität zu verbessern und bietet sowohl in Euro und US-Dollar attraktive Kupons und Renditen. Die Anleihen haben zuletzt etwas verloren und notieren teilweise unter 100. Durch Kündigungsmöglichkeiten in naher Zukunft lassen sich sehr attraktive Kursgewinne erwirtschaften. Für viele Investoren ist das Rating aber ein Ausschlusskriterium. S&P bewertet mit BB und Fitch mit BB-.