Robyn Denholm ist für Insider ein schon bekanntes Gesicht. Sie gehört schon seit 2014 dem Tesla-Verwaltungsrat an und kennt daher das Unternehmen ausgezeichnet. Sie löst nun den Firmengründer ab und sorgt auf diese Weise dafür, dass eine deutlich erhöhte Kontrolle stattfindet und er nicht mehr alle Dinge allein entscheiden kann. Bis jetzt musste er sich nur selten rechtfertigen, weshalb Änderungen in der Strategie für ihn leicht waren. Die gesamte Unternehmensstruktur war auf seine Person zugeschnitten. Nun kann sich Musk nicht mehr selbst beaufsichtigen, er hat nun die Plicht, dass er sich mit Denholm abspricht. Somit muss er nun Kompromisse eingehen, wenn der Aufsichtsrat mit seinen Ideen nicht übereinstimmt. Dennoch bleibt er weiter Firmenchef.


Warum wurde diese Entscheidung getroffen?

Die US-Börsenaufsicht SEC war dafür verantwortlich, dass diese Neubesetzung stattfand. Musks Vorgehen wurde von den Entscheidungsträgern nicht mehr akzeptiert. Sie sahen zu wenige Einflussmöglichkeiten anderer Personen innerhalb des Konzerns. Nach einer Twitter-Meldung, in der er einen Börsenrückzug ankündigte und dann wieder von dieser Idee abrückte, erhob die Behörde vor einem Bundesgericht in Manhattan Anklage. Beide Parteien einigten sich außergerichtlich. Der Deal sieht vor, dass Musk drei Jahre lang den Posten des Verwaltungsratschefs ruhen lässt und diesen an eine andere Person übergibt.


Die strittigen Aussagen im Detail und deren Auswirkungen

Im August verfasste der Firmengründer eine Kurznachricht, in der er andeutete, dass er alle Aktien, die sich im freien Handel befinden, zu einem Preis von 420 Dollar pro Stück zurückkaufen möchte. Als Folge wäre Tesla von den Börsen verschwunden, da nun Musk selbst wieder über alle Anteile verfügt hätte. Nach zwei Wochen dachte er um und stoppte die von ihm zuvor verbreiteten Pläne. Ein starker Wertanstieg war die Folge der ersten Ankündigung, weshalb Marktteilnehmer Geld verloren, die darauf setzten, dass die Papiere in der nächsten Zeit an Wert verlieren. Viele Anleger waren extrem verärgert und äußerten den Verdacht, dass er auf diesem Weg den Kurs der Papiere manipulieren wollte.  Sie fühlten sich betrogen und wandten sich daher an die SEC. Es ist noch nicht ausgeschlossen, dass die Spekulanten eine Sammelklage einreichen und eine Entschädigung für die entstandenen Verluste fordern.


Verwaltungsräte sind in den USA stärker als in Deutschland

In US-Konzernen hat der Verwaltungsrat neben der Kontrollfunktion weitere Befugnisse, die ihn mächtig machen. Er kann leichter auf die Firmenstrategie Einfluss nehmen und daher die Gesamtausrichtung verändern. Da der Tesla-Verwaltungsrat sich nie gegen den Firmeneigner stellte, hatte dieser deutlich mehr Freiheiten. Risikoreiche Entscheidungen wurden fast nicht diskutiert, sondern umgehend umgesetzt.


Anleger wiesen schon früh auf diese Problematik bei Tesla hin und forderten daher, die Verselbstständigung des Rats, damit dieser unabhängig und unvoreingenommen reagieren kann. Durch die jetzige Entscheidung ist ein mächtiger Gegenpol entstanden, welcher eine neue Herausforderung für Elon Musk ist. Er ist nun in seiner Entscheidungsfreiheit beschnitten und muss sich den Entschlüssen dieses Komitees beugen. Die Mitglieder haben beispielsweise beschlossen, dass es vor der Verbreitung eines Tweets eine interne Kontrolle gibt, die sich mit dem Inhalt befasst.