Die Schweizer Börse ist dabei, eine integrierte Plattform für Handel, Abwicklung und Verwahrung von Krypto-Assets zu entwickeln. Die digitale Handelsplattform, die auf der Blockchain-Technologie beruht, soll Mitte des nächsten Jahres an den Start gehen.

Bisher waren etablierte Finanzdienstleister gegenüber der Blockchain und den Kryptowährungen eher skeptisch eingestellt. Doch nun scheint sich der Wind zu drehen. So hat die SIX Group, die Betreiberin der schweizerischen Wertpapierbörse, am letzten Freitag bekanntgegeben, dass sie unter dem Namen "SIX Digital Exchange" eine Blockchain-basierte Börsenplattform entwickelt. Die Plattform soll Handel, Abwicklung und Verwahrung von digitalen Assets umfassen – also die gesamte Wertschöpfungskette, die SIX bei physischen Wertpapieren anbietet.

 

Schnelle Abwicklung, hoher Regulierungsstandard

Die Börsenbetreiberin will auf ihrer Blockchain sowohl Wertpapiere wie Aktien und Anleihen abbilden als auch Vermögenswerte, die derzeit nicht handelbar sind. SIX-Börsenchef Thomas Zeeb erwähnte gegenüber der Schweizer Nachrichtenagentur AWP das Beispiel eines Museums. Künftig könne das Museum seine Kunstsammlung durch die Ausgabe von Tokens finanzieren. Auf diese Weise seien die Anleger in der Lage, an einer eventuellen Wertsteigerung der Sammlung zu partizipieren. Die SIX-Blockchain ermöglicht indes nicht nur neue Finanzierungsmodelle. Sie beschleunigt auch den Handel: Heute dauert das Settlement einer Aktientransaktion rund zwei Tage. Mit SIX Digital Exchange sollen Handelsgeschäfte hingegen nahezu in Echtzeit abgewickelt werden.

Ein Grund, weshalb die etablierte Finanzwelt der Blockchain bislang reserviert gegenüberstand, ist die unklare Rechtssituation. Finanzmarktakteure haben eine Vielzahl detaillierter Vorschriften einzuhalten. Im Gegensatz dazu ist der Kryptohandel noch kaum reguliert. Beispielsweise existiert keine eindeutige Bestimmung, unter welchen Voraussetzungen ein Token als Wertpapier einzustufen ist. Der fehlenden Regulierung ist es auch zuzuschreiben, dass Kryptobörsen immer wieder durch Betrugsfälle und eklatante Mängel bei der Geschäftsführung auffallen. Negativschlagzeilen und Rechtsunsicherheit sind aber Gift für das Vertrauen der Investoren. SIX arbeitet deshalb eng mit der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht und der Schweizerischen Nationalbank zusammen, um einen Regulierungsstandard zu etablieren, der dem des klassischen Börsenhandels entspricht.

 

Plattform für hochwertige ICOs

Die Betreiberin der Schweizer Börse beabsichtigt, ihre Krypto-Plattform Mitte des nächsten Jahres starten. Zu den Produkten, die darüber gehandelt werden sollen, haben die SIX-Verantwortlichen bisher keine konkreten Angaben gemacht. Ob die Schweizer ihre Plattform für den Handel von Kryptowährungen wie Bitcoin, Ether oder Ripple öffnen werden, ist daher unbekannt. Gemäß Börsenchef Zeeb setzt SIX Digital Exchange für die Transaktionsabwicklung jedoch auf einen eigenen "Liquiditäts-Coin". Zeeb erklärte ferner, die Krypto-Plattform ziele unter anderem auf "hochwertige ICOs". Das digitale Going-public hat sich in den letzten Jahren zu einem Wachstumsmarkt entwickelt. Seit Jahresbeginn kamen bei ICOs nach Angaben des Wirtschaftsprüfers PwC fast 14 Milliarden US-Dollar zusammen. Davon entfielen 456 Millionen auf die Schweiz.

Die Schweizer Börse ist mit ihren Blockchain-Plänen nicht alleine. Die Deutsche Börse untersucht zurzeit zusammen mit der Bundesbank, ob sich die Blockchain für die Abwicklung von Wertpapiertransaktionen einsetzen lässt. Zudem arbeitet sie mit verschiedenen Zentralverwahrern an einem Projekt zum grenzüberschreitenden Transfer von Sicherheiten. Auch die Nasdaq und die australische Börse beschäftigen sich aktuell mit Blockchain-Projekten.