Die Währungshüter in den USA entschieden sich schon eher als ihre europäischen Kollegen zu einem Strategiewechsel. Die Anhebung des Leitzinses war die logische Folge. In sieben Schritten wurde diese durchgeführt und liegt nun in den Vereinigten Staaten bei einem Wert, der zwischen 2,00 Prozent und 2,25 schwankt. Donald Trump kritisierte zwar in seiner Eigenschaft als amerikanischer Präsident dieses Vorgehen, doch auch seine Tiraden, die er über Twitter verbreitete und in Interviews von sich gab, sorgten für keine Meinungsänderung bei den Verantwortlichen. Ein weiterer Anstieg des Leitzinses im nächsten Jahr ist möglich, wenn man den Aussagen der Fed-Chefs glaubt. Es stellt sich dabei nur die Frage, wie viele Stufen die weitere Erhöhung umfasst, da es Risiken gibt, welche sich auf die Entscheidungen auswirken. Für Unsicherheiten sorgt dabei Trump selbst. Er hat sich für eine protektionistische Politik entschieden, bei der die eigene Wirtschaft im Mittelpunkt steht. So erheben die USA immer wieder Strafzölle auf Importe, die zu einer künstlichen Verteuerung der Güter führen und daher deren Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigen. Die Handelspartner lassen sich diese Praktik nicht gefallen und erheben ebenfalls Zusatzzölle auf amerikanische Produkte. Wenn beide Seiten hier keine gütliche Einigung finden, dann entsteht daraus ein Handelskrieg, der sich auf die Weltwirtschaft negativ auswirkt. Die Beobachter meinen daher, dass maximal drei Anhebungen stattfinden können.


Durch diese Maßnahmen ist eine neutrale Geldpolitik sichergestellt. Der wichtigste Indikator dabei ist die Inflation. Ökonomen gehen davon aus, dass diese bei ungefähr 2 Prozent liegen soll. Durch das Anheben der Zinsen profitieren besonders Anleger, da nun die Erträge auf ihren Sparbüchern höher ausfallen. Diese liegen momentan unterhalb der Inflationsrate, weshalb eine unbemerkte Verkleinerung der eigenen Kaufkraft stattfindet. Zwar ist die Verteuerung von Krediten ein Resultat, doch diese liegt im akzeptablen Rahmen und stellt eine geringe Herausforderung dar. Die Arbeitsplätze sind daher sicher und ein Anstieg der Arbeitslosenquote ist nicht zu befürchten.
Das Anleihekaufprogramm, das die Fed durchführte, endete schon 2014. Hier ist ein deutlicher Unterschied zur EZB sichtbar. Diese führt den Erwerb von Staatspapieren noch immer durch. Als weitere Folge dieser Entscheidung verkleinerten sich der Bilanzumfang und der -wert. Gelder wurden nun noch teilweise wieder ausgegeben, was dazu führte, dass die Reserven nur noch 4,2 Billionen Dollar betragen. In Zeiten der Unterstützung waren es bis zu 4,5 Billionen Dollar. Da die Experten davon ausgehen, dass keine weiteren Hilfen mehr nötig sind, schmelzen diese Beträge in den nächsten Jahren weiter ab.


Das europäische Vorgehen ist anders

Da die Probleme hier unterschiedlich gelagert sind, gehen die Währungshüter in Europa mit einer anderen Taktik vor. Viele Herausforderungen sind noch nicht bewältigt und weitere Bedrohungen zeichnen sich ab. So ist Griechenland weiterhin auf Hilfen angewiesen und brauch deshalb Kapital von der EZB und anderen Mitgliedsstaaten der EU. Außerdem gibt es erste Hinweise, dass Italien vor dem finanziellen Kollaps steht. Bewahrheiten sich diese Befürchtungen, dann wirkt sich das nicht nur auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Südeuropäer aus. Der gesamte europäische Wirtschaftsraum wäre gefährdet, worunter die Weltwirtschaft ebenfalls leitet.


Ebenso kommt es weiter zu einem monatlichen Kauf von Staatseinleihen in Milliardenhöhe. Hier ist zumindest ein Ende absehbar, da das Programm Ende Dezember 2018 ausläuft. Doch der Zeitzins befindet sich noch immer bei 0,00 Prozent. Die Kosten für externe Gelder sind somit für Interessenten minimal. Anleger müssen somit nach risikoreicheren Wegen zur Geldvermehrung suchen. Ferner gibt es noch immer einen Strafsatz für Banken, wenn sie ihr Kapital den Kunden nicht zugänglich machen wollen. Dieser liegt derzeit bei 0,40 Prozent des Einlagerungswerts. Zwar reduzieren sich die Gefahren eines Zahlungsausfalls bei Geldnehmern, doch ein Verlust ist trotzdem vorprogrammiert.
Marktteilnehmer gehen davon aus, dass Veränderungen ab Oktober 2019 möglich sind. Dies liegt aber nicht daran, dass Mario Draghi dann die Finanzzentrale verlassen wird. Die Gesamtlage ist dafür verantwortlich, die sich über einen längeren Zeitraum stabilisiert hat. Schon eine minimale Anhebung des Leitzinses wäre ein positives Zeichen. Fällt zusätzlich die Einlagenfazilität weg, verändern sich die Gesamtumstände drastisch. Dass das möglich ist, beweist die britische Zentralbank, deren Käufe schon lange beendet sind und deren Bilanz sich kontinuierlich verkleinert. Zwei Erhöhungsstufen bei den Zinsen erfolgten, was besonders für den Finanzplatz London eine wichtige Rolle spielte. Für Geldhäuser ergeben sich nun neue Möglichkeiten, da ihre Finanzangebote nun wieder interessanter sind.