Masayoshi Son gilt in Japan als Investment-Legende. Das Magazin „Forbes“ führt den 61-jährigen koreanischstämmigen Gründer von Softbank auf Rang 2 der reichsten Asiaten. Softbank ist ein japanischer Telekommunikations- und Medienkonzern mit Unternehmensbereichen im Breitbandfernsehen, Festnetz-Telekommunikation, E-Commerce, Internet, Robotik, Technologie Service, Finanzen, Medien und Vermarktung. Zu der Holding gehören mehr als 1000 Tochtergesellschaften, darunter der amerikanische Mobilfunker Sprint, Yahoo Japan und Alibaba mit substanziellen Anteilen. Das Aktienpaket ist heute rund 120 Milliarden US-Dollar wert, nachdem Masayoshi Son im Jahr 2000 gerade einmal 20 Millionen US-Dollar investiert hatte. Und über seinen Vision Fund – ein mit 100 Milliarden US-Dollar ausgestatteter Beteiligungsfonds – hält Softbank unter anderem Anteile an Uber, Nvidia und ARM in dem Portfolio.

Jetzt vollzieht Masayoshi Son den größten Börsengang (IPO – Initial Public Offering) in der Geschichte Nippons. Ende November teilte Softbank mit, dass die Mobilfunksparte des Unternehmens am 19. Dezember an die Börse gebracht werden soll, und wird sich dafür von 37 Prozent seiner Aktien trennen. Das Handynetz der Tochter bedient 34 Millionen Kunden. Dieser Teil reicht aus, um bei einem ausgewiesenen Ausgabepreis von 1500 Yen umgerechnet etwa 20 Milliarden Euro einzustreichen. Diese wird Masayoshi Son laut Beobachtern vermutlich für weitere Zukäufe einsetzen.

Für Anleger bedeutet der IPO Chancen und Risiken zugleich. Chancen, weil die Aktie mit einem Kurs-Gewinnverhältnis von 13 fundamental günstig bewertet ist. Risiken, weil Softbank einen Schuldenberg von gigantischen 158 Milliarden US-Dollar vor sich herschiebt. Das Unternehmen finanziert sein Wachstum per Kredit. Rund 90 Prozent der rund 1,6 Milliarden Aktien sollen übrigens am japanischen Markt verkauft werden, vorwiegend an private Anleger. Wertpapierhäuser schalten laut der „Neuen Zürcher Zeitung“ gar Fernsehwerbung, um Interesse zu generieren. Der endgültige Preis soll am 10. Dezember festgelegt werden, der erste Handelstag ist für den 19. Dezember geplant.

Softbank reiht sich mit dem vielbeachteten Börsengang hinter andere Technologie-IPOs dieses Jahres ein. Mit Dropbox und Spotify, Avast und Serviceware haben vier nicht unbekannte Tech-Unternehmen den Gang aufs Parkett gewagt – indes mit unterschiedlichem Erfolg. Während Avast im Vergleich zum Startkurs rund 20 Prozent zugelegt hat, hat Serviceware mehr als 25 Prozent verloren.

Technologiewerte sind aber beileibe keine Wundertüte. Mit Apple, Amazon, Microsoft und Alphabet sind die vier größten börsennotierten Unternehmen der Welt allesamt Technologie-zentriert und kommen auf den fast unglaublichen Wert von mehr als 3123 Milliarden Euro. Seit dem Aufstieg von Wirecard in den Dax befinden sich jetzt drei ausgemachte Technologieunternehmen unter den 30 größten deutschen Unternehmen. SAP führt den Index mit einem Börsenwert von weit mehr als 100 Milliarden Euro an, der Halbleiterhersteller Infineon ist ebenfalls ein Schwergewicht. Zählt man auch die Deutsche Telekom dazu, gehört „Technologie“ zu den größten Branchen im Dax, nur „Chemie“ mit fünf Unternehmen ist größer.

„Technologie-Aktien haben – das ist eine Entwicklung der vergangenen Jahre – ihr Dasein als ausgemachte Wachstumswerte hinter sich gelassen und sich in der Liga der Substanztitel angekommen. Daher lohnt es sich auch, auf die internationalen Newcomer im Rahmen von Börsengängen zu schauen“, sagt Mark Bügers, Managing Partner beim unabhängigen Vermögensverwalter Rhein Asset Management aus Luxemburg und Düsseldorf. Wichtig für Anleger sei die langfristige Orientierung. Mit kurzfristigen Schwankungen im Technologie-Bereich sollte man entspannt umgehen und erst aktiv werden, wenn eine echte negative Trendwende zu erwarten ist, betont Bügers.

Er betont auch, dass viele Aktien führender Unternehmen zwar sehr teuer geworden sind, sodass ein Einstieg viel Geld kostet. Zugleich schütten Apple, Microsoft, IBM und Co. stabile Dividenden aus und weisen auch weitere Kurssteigerungen auf. Investoren könnten sich alternativ auch auf Unternehmen konzentrieren, die abseits der Öffentlichkeit ihren Geschäften nachgingen. Dazu gehören laut Mark Bügers beispielsweise TecDax-Unternehmen wie RIB Software, Xing oder auch die Nemetschek Group, deren Kurssteigerungen der vergangenen Jahre zwischen 125 und 1160 Prozent liegen.