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Patrick Peters2 MIN LESEDAUER06.12.2018

Steuerpflicht beim Handel mit Bitcoin und Co.?

Gewinne aus der Veräußerung von Kryptowährungen innerhalb der einjährigen Haltefrist lösen reale Steuern aus. Das ist keine Banalität, warnt Kölner Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Matthias Klein. Er weist auch auf die mögliche Gewerblichkeit des Minings hin.

Das Internet ist – trotz zwischenzeitlich anders erscheinender Wahrnehmung – kein unregulierter, rechtsfreier Raum. Das gilt auch aus steuerlicher Sicht. Der Gesetzgeber geht beispielsweise mittlerweile gegen den Steuerbetrug im Online-Handel vor. Betreiber von Online-Marktplätzen haften nun für die Umsatzsteuer der Händler, die ihre Plattform nutzen. Ein neues Gesetz verpflichtet Plattformbetreiber in Deutschland zur Erfassung der Daten ihrer Händler, um diese bei Bedarf an das Finanzamt zu übermitteln. Ebenso soll eine EU-Digitalsteuer für große Technologiekonzerne wie Apple, Google oder Amazon eingeführt werden.

Etwas kleineren Ausmaßes, aber noch immer von Bedeutung ist die Besteuerung bei der Veräußerung von Kryptowährungen. „Wer Bitcoin, Ethereum oder auch Litecoin als Investmentmöglichkeit nutzt, wird dadurch gegebenenfalls steuerpflichtig. Auch wenn die Währungen virtuell sind, unterliegen Gewinne aus der Veräußerung von Kryptowährungen realen Steuern“, sagt der Kölner Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Matthias Klein (Klein + Partner). „Damit unterscheiden sie sich nicht maßgeblich von anderen Arten der Kapitalanlage wie Aktien oder Sachwerte.“

Der Gesetzgeber hat zwei Ebenen der „Veräußerung“ definiert. Eine Art der Veräußerung stellt der Verkauf von Kryptowährungen gegen Euro über eine Handelsplattform dar – also im Regelfall die Mitnahme von Gewinnen ähnlich einem Wertpapiergeschäft. Einen Veräußerungstatbestand stellt laut Matthias Klein aber bereits auch der Einsatz von Coins als Zahlungsmittel dar; also dann, wenn der Inhaber für den Erwerb von Waren oder Dienstleistungen mit einer digitalen Währung bezahlt. „In beiden Fällen liegen private Veräußerungsgeschäfte im Sinne des Einkommensteuergesetzes vor, wenn der Zeitraum zwischen Erwerb und Veräußerung der Internetwährung weniger als ein Jahr beträgt“, kommentiert Matthias Klein mit Bezug auf § 23 Abs. 1 Nr. 2 des Einkommensteuergesetzes (EStG), der sich mit diesen Spekulationsgeschäften befasst. Außerhalb der Haltefrist sind diese Transaktionen steuerfrei.

Wird ein Veräußerungsgeschäft innerhalb der einjährigen Haltefrist abgewickelt, greift eine Freigrenze von 600 Euro jährlich. Diese Freigrenze bezieht sich allerdings auf alle privaten Veräußerungsgeschäfte im betreffenden Jahr, also nicht nur auf Krypto-Geschäfte des Steuerpflichtigen. Der relevante Veräußerungsgewinn ergibt sich aus der Differenz zwischen dem erzielten Veräußerungspreis auf der einen Seite und den Anschaffungskosten und Werbungskosten der eingesetzten Internetwährung auf der anderen Seite. Erzielte Verluste können grundsätzlich verrechnet, zurück- und vorgetragen werden. Allerdings darf eine Verrechnung jeweils nur mit Gewinnen aus privaten Veräußerungsgeschäften erfolgen.

Matthias Klein weist auch auf die Frage nach dem sogenannten Mining hin, also das Schürfen von digitalen Coins. „Wer die Coins selbst herstellt, erwirbt sie nicht, zahlt also bei einer Veräußerung auch keine Steuern auf die Spekulationsgewinne. Aber er unterliegt insofern der Einkommensbesteuerung, als dass er Einkünfte aus sonstigen Leistungen bezieht. Und wenn der Steuerpflichtige seine Rechnerleistung wiederholt zur Verfügung stellt oder sogar eigene Hardware dafür anschafft, handelt er gewerblich mit allen steuerlichen und rechtlichen Implikationen.“

Matthias Klein warnt davor, diese fiskalischen Pflichten als Banalität abzutun. „Aufgrund der steigenden Bedeutung von Kryptowährungen als Zahlungsmittel und Kapitalanlage werden die Steuerbehörden solche Vorgänge sehr genau beobachten. Es kann also bei Nichterfüllung steuerlicher Pflichten schnell zu einer bewussten Verkürzung von Abgaben kommen. Das ist ein Straftatbestand.“

Übrigens: Für Unternehmen führen Geschäfte mit Internetwährungen grundsätzlich zu steuerpflichtigen Einkünften. In Abhängigkeit von der Rechtsform des Unternehmens unterliegen die so erzielten Gewinne dann der Einkommensteuer (Personengesellschaften)
oder der Körperschaftsteuer (GmbH, AG etc.) sowie zusätzlich jeweils der Gewerbesteuer.

Der Kölner Steuerberater weist auch auf die aktualisierte Rechtsprechung zur Umsatzsteuer hin. Diese wurde grundsätzlich an das EU-Urteil, demzufolge der An- und Verkauf von Bitcoins umsatzsteuerfrei ist, angeglichen. Virtuelle Währungen werden den gesetzlichen Zahlungsmitteln gleichgestellt, was zu einer Umsatzsteuerbefreiung führt. Bislang wurde diese Gleichstellung verneint. „Es ergeben sich daraus aber auch Folgefragen hinsichtlich der umsatzsteuerlichen Behandlung von Bitcoin in Bezug auf weitere Umsätze, beispielsweise aus dem Mining oder für Handelsplattformen. Daher sollte die Frage nach einer etwaigen Umsatzsteuerpflicht professionell beantwortet werden“, sagt Matthias Klein.