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Heino Reents2 MIN LESEDAUER20.11.2018

Wandelanleihen: Die eierlegende Wollmilchsau?

Im Aufschwung dabei, im Abschwung dagegen nur bedingt: Wandelanleihen sind eigentlich für jede Marktphase geeignet. Aktuell scheint ein Einstieg aber besonders interessant.

Es klingt fast zu schön, um wahr zu sein: Partizipation an einem Anstieg der Aktienmärkte und gleichzeitig einen Schutz vor Verlusten. Das versprechen Wandelanleihen. Denn die auch Convertible Bonds genannten Papiere sind eine Kombination aus einer Unternehmensanleihe und einer Kaufoption auf die Aktien des Unternehmens. Genauer gesagt, verbinden Wandelanleihen die Verzinsung einer Unternehmensanleihe mit der Call-Option auf die Basisaktie.

Wie klassische Anleihen haben Wandelanleihen eine feste Laufzeit, einen Nennwert und einen Zinskupon, der den Investoren kalkulierbare Renditen ermöglicht. Das Besondere: Im Unterschied zur normalen Anleihe können sich Investoren ihren Bond zurückzahlen lassen oder die Anleihe zu einem bestimmten Wandlungspreis in Aktien des Unternehmens tauschen.

Allerdings ist eine Wandlung für Anleger nur dann attraktiv, wenn der Kurs der Aktie über dem sogenannten Wandlungspreis liegt. Diese Differenz von Wandlungspreis zu Aktienkurs heißt Prämie oder Premium. Man spricht dann, ähnlich wie bei Optionsscheinen davon, dass sich die Wandelanleihe "im Geld" befindet. Notiert der Wandlungspreis jedoch unter dem Aktienkurs, so befindet sich das Papier "aus dem Geld".

Viele Vorteile

Wandelanleihen bieten über ihre Aktienkomponente somit eine Kapitalbeteiligung am Emittenten mit gleichzeitigem Kapitalschutz durch die Wertuntergrenze. Durch diese Konvexität können Investoren zu zwei Dritteln an einer positiven Kursentwicklung der zugrunde liegenden Aktie teilhaben, während eine negative Entwicklung sie nur zu einem Drittel betrifft. Ein weiterer Vorteil: Der Ertrag lässt sich bis zum Umtausch der Wandelanleihen in Aktien fest kalkulieren. Hat der Anleger von seinem Umtauschrecht Gebrauch gemacht, partizipiert er an möglichen Kursgewinnen und ist außerdem dividendenberechtigt. Und nicht zuletzt führt ein Kursanstieg der zugrunde liegenden Aktie zu einem Kursgewinn der Wandelanleihe.

Das langfristige Chancen-Risiko-Verhältnis kann sich sehen lassen. Von Dezember 1996 bis Ende November 2017 erzielten Wandelanleihen eine durchschnittliche Jahresrendite von 6,7 Prozent pro Jahr (gemessen am Thomson Reuters Global Convertible Index, währungsgesichert in Euro). Zum Vergleich: Die jährliche Performance des Aktienindex MSCI World betrug 7,1 Prozent pro Jahr.

Steigende Zinsen können für Auftrieb sorgen

In diesem Jahr allerdings schwächeln viele der Wandelanleihen-Strategien. Grund waren die zum Teil deutlich nachgebenden Aktienmärkte. Allerdings waren die Verluste erwartungsgemäß deutlich geringer als bei direkten Aktieninvestments. Experten erwarten, dass die Aussichten bald deutlich besser werden und die Produkte ihre Stärke ausspielen. Steigende Zinsen und eine höhere Volatilität an den Aktienmärkten dürften viele Investoren dazu bewegen, Teile ihres Vermögens in Wandelanleihen umschichten.

Ein weiterer Treiber ist das größer werdende Anlageuniversum: Die Zahl und das Volumen der Neuemissionen sollte zunehmen, weil das Umfeld mit steigenden Zinsen den Wandelanleihenmarkt als Refinanzierungsquelle verstärkt in den Fokus der Emittenten rücken lässt. Speziell US-Unternehmen emittieren verstärkt Wandler, um sich günstiger zu refinanzieren. Im Vergleich zu Unternehmensanleihen werden die Papiere mit einem niedrigeren Kupon ausgegeben.

„Wandelanleihen bieten außerdem eine gute Möglichkeit, sich an aktuellen und künftigen Wachstumstrends zu beteiligen“, sagt Stephanie Zwick, Leiterin des Convertible Bond Teams bei Fisch Asset Management. So nutzten etwa Unternehmen wie Twitter, FireEye oder Atlassian in diesem Jahr die Wandelanleihe zur Finanzierung.

Da die Papiere im Vergleich zu Unternehmensanleihen mit einem niedrigeren Kupon ausgegeben werden, ist aus Firmensicht die Refinanzierung über Wandler in Phasen von steigenden Zinsen besonders interessant. Und davon können Anleger profitieren. „Mit Wandelanleihen lassen sich Trends wie Technologie oder Cybersecurity in den Portfolios sehr gut spielen“, sagte Zwick.

Für Investoren ist eine Fondslösung der einfachste Weg, am Potenzial zu partizipieren, denn die Mindestanlage im oft sechsstelligen Bereich ist meist eine unüberwindbare Hürde. Spezialisierte und aktiv verwaltete Fonds machen deshalb Sinn. Das gilt umso mehr, weil eine fundierte Kreditanalyse nötig ist, um die besondere Schutzfunktion optimal nutzen zu können.

Passive Produkte sind deshalb aktiv gemanagten Strategien unterlegen. Denn neben der Kreditqualität muss auch das Geschäftsmodell der Unternehmen genau analysiert werden, um das Risiko zu minimieren. Denn letztendlich sind Wandler eine Anleihengattung, und deren Rückzahlung bei Fälligkeit bleibt ein entscheidendes Merkmal beim Anlegen.