Auf den ersten Blick spricht bei dem großen machtpolitischen Endspiel um globale wirtschaftliche Dominanz, bei dem China längst der einzig verbliebene Hauptgegner ist, vieles für Trump und die Amerikaner. Donald Trump ist skrupellos und sucht wie kein zweiter US-Präsident vor ihm den Vorteil für seine Wählerschaft und die amerikanische Wirtschaft.

Er ist außenpolitisch auch nicht durch den Kongress oder den Senat beschränkt, kann also im Gegensatz zur Innenpolitik frei agieren. Dabei weiß er die größte Wirtschafts- und Militärmacht der Welt als Faustpfand auf seiner Seite, die durch die einzigartige Innovationskraft und finanzielle Feuerkraft der digitalen Oligopole aus dem Silicon Valley zusätzlich scheinbar gestärkt wird.

Zu guter Letzt verfügt Trump auch noch über eine ultimative Waffe: den sog. „Green Back“ also den US Dollar. Keine andere Währung hat durch ihren hohen Verbreitungsgrad mehr Bedeutung, sie ist nicht einfach nur systemrelevant, sondern sie ist das „System“.

Also spricht alles für Trump und die Amerikaner? Auf den zweiten Blick scheint das Gegenteil der Fall zu sein:

 

1. China übernimmt die Technologieführerschaft – Huawei ist sogar so stark geworden, dass die USA die Notbremse ziehen.

Bereits 2018 gab es in China mehr als doppelt so viele Patentanmeldungen wie in den USA. Auch die Qualität dieser Patente hat sich drastisch verbessert. In der 5G-Technologie sind die Chinesen Spitze, und diese Technologie wird ausschlaggebend für das Internet der Dinge sein. Denn 5G ist nicht einfach nur ein besseres 4G. 5G wird 36mal schneller sein und wird somit Rechenleistungen ermöglichen, die die Grundlage für autonomes Fahren, flächendeckende Vernetzung von Maschinen und Gebäuden überhaupt erst ermöglicht.

5G wird somit die größte technische Neuerung seit der Erfindung des Internets überhaupt werden. Kontrolliert und beherrscht wird diese Technologie jedoch weitgehend von den Chinesen. In Europa gibt es im Vergleich keinen einzigen Anbieter, der hier noch mithalten kann.

Der Börsenkurs von Huawei war auf dem besten Weg an die absolute Weltspitze. Die Amerikaner haben erkannt, dass ihrer Konzerne tatsächlich zurückfallen und dass sie Huawei mit allen Mitteln stoppen müssen, denn wer 5G kontrolliert, kontrolliert die Zukunft. In ihrer Verzweiflung haben die USA Festnahmen von Huawei-Managern und sogar die Beendigung der Zusammenarbeit von Huawei und Google-Android erzwungen.

Letztlich ist der Vorsprung aber nicht durch solche Strafaktionen wett zu machen. Insbesondere da es an einer gleichwertigen eigenen Technologie fehlt. Europa und die USA müssten jetzt effektive Mittel finden, das technologische Defizit auszugleichen. Aber anstatt seine Verbündete um sich zu scharen, ist die westliche Welt mit einem polemischen US-Präsidenten gestraft, der alte Allianzen aufkündigt und letztlich nur seinem Narzissmus verpflichtet ist.

 

2. China verfügt über die höchste Kaufkraft und den größten Binnenmarkt. 

Das kumulierte chinesische Bruttoinlandsprodukt (BIP) war bereits 2018 größer als das der Amerikaner und wird bis 2030 voraussichtlich auf über 57,6 Billionen Euro steigen. China wird im Jahre 2030 damit eine etwa doppelt so hohe Wirtschaftskraft aufweisen wie die Amerikaner, die bei etwa 27,8 Billionen Euro liegen wird. Die USA verlieren also gerade ihre gewohnte Position als größter Binnenmarkt der Welt und damit auch ihren wertvollsten Verhandlungsspielraum, denn die absolute Bedeutung des US-Marktes nimmt für China deutlich ab, während amerikanische Firmen ohne Zugang zum chinesischen Markt langsamer wachsen als andere europäische oder chinesische Firmen, die wiederum Zugang haben. Das Interesse der USA, Marktzugang zu erhalten, wird also gleichzeitig von Jahr zu Jahr steigen, während China aus einer Position der Stärke auf Zeit spielen kann.

 

3. Chinesische Online-Konzerne werden in drei Jahren mehr Wert sein als ihre amerikanischen Konkurrenten.

Schon jetzt gibt es in China 800 Millionen Internetnutzer, in den USA sind es nur knapp 195 Millionen. Damit ist China der mit Abstand bedeutendste E-Commerce Markt, und im Gegensatz zu den USA wird er sogar noch bis 2030 auf knapp 1,1 Milliarden Nutzer wachsen.

So verzeichnete am sog. „Singles Day“ der chinesisches Internetkonzern Alibaba an nur einem Tag 812 Millionen Euro Umsatz, Amazon bringt es am sog. „Prime Day“, dem verkaufsstärksten Tag des Jahres, gerade auf 32 Millionen Euro. Die Online-Riesen der Chinesen haben also bereits heute wesentlich bessere Kennzahlen und ein ungleich höheres Wachstumspotenzial bis 2030 als die Amerikaner.

 

4. China kontrolliert und lenkt weltweit die größten Direktinvestitionen und verfügt über 30-mal höhere Devisenreserven als die USA.

Durch ihren Aushandelsüberschuss verfügen die Chinesen über Unmengen an Geld. Die Direktinvestitionen werden dabei von der Regierung zentral und strategisch gesteuert. Mit Beginn des Handelskrieges hat China seine Direkt-Investitionen in den USA von 20 Milliarden Euro in 2016 auf minus 260 Millionen im ersten Quartal 2018 reduziert. Faktisch ziehen die Chinesen also Geld aus den USA ab, das ist als direkte Reaktion gegenüber Washington und dem eskalierenden Handelskrieg zu werten.

Je länger der Streit andauert, desto länger fehlt der amerikanischen Wirtschaft der größte, und in Zukunft weiterhin bedeutendste Investor der Welt. Auch hier können die Chinesen auf Zeit setzen, denn zusätzlich verfügen sie über 3,2 Billionen Dollar an Devisen, die USA aber nur etwa über 0,1 Billionen Dollar. Sie können es sich also leisten, den eigenen Binnenmarkt zu stärken.

Auch die Staatsverschuldung der USA wird von den Chinesen zu einem gewissen Maße kontrolliert, sie sind der Hauptkäufer von amerikanischen Staatsanleihen. Ohne ihr Geld bekommt der amerikanische Staat, und speziell Trump, der zuletzt die Verschuldung drastisch erhöhte und Steuern kürzte, ein echtes Finanzierungsproblem. Denn alles in den USA - Wirtschaft und Staat - basiert auf Pump.

 

5.  China profitiert deutlich stärker vom Wachstum in Indien und Indonesien und führt gleichzeitig die „Seidenstraße“ zum Erfolg.

2030 werden Indien und Indonesien (nach China) die Plätze zwei und drei der größten Volkswirtschaften weltweit einnehmen. Vor den USA. Wenn es China gelingt, seine Spannungen mit Indien zu überwinden, ist das Land wesentlich besser aufgestellt, in diesen beiden Märkten überproportional am Wachstum zu profitieren. Im Gegensatz zu den Amerikanern.

Ein wichtiger strategischer Schritt ist hierbei die Entwicklung der Seidenstraße. Während Trump die Welt brüskiert und seine Verbündeten von den USA entfremdet, liefert China eilig und eifrig Resultate, ohne dass die Amerikaner eine effektive Antwort auf dieses strategisches Megaprojekt in Asien und Europa haben. Die Schaffung einer amerikanisch-asiatischen Wirtschaftszone unter Führung der USA, wie Obama sie einst erdacht und geplant hatte, ist mittelweile tot und würde heute nicht zuletzt am Widerstand Chinas scheitern. Gelingt jedoch das Projekt Seidenstraße, wird es für asiatische und europäische Staaten nahezu unmöglich, ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit von China zu wahren.

 

Fazit: Nicht zuletzt aufgrund von Trumps zerstörerischen Selbstdarstellungstrieb wird Amerika den Handelskrieg letztlich verlieren und Europa gleich mit.
 

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