Der große Run auf Industriemetalle
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2021-09-16

Der große Run auf Industriemetalle

Aluminium, Kupfer, Nickel, Blei und Zink verzeichnen in diesem Jahr einen rasanten Preisanstieg. An der globalen Rohstoff-Spekulation können auch Anleger teilhaben.

Um 48 Prozent hat sich der Preis für Aluminium, gemessen am Index S&P GSCI Aluminium, in diesem Jahr schon verteuert. Der entsprechende Index für Kupfer ging um 23 Prozent in die Höhe, der für Nickel um 19 Prozent, der für Blei um 15 Prozent und der für Zink um 14 Prozent.

Der Index für Aluminium ist zum Wochenbeginn mit 504 Punkten gar auf den höchsten Stand seit zehn Jahren gestiegen. An der London Metal Exchange übersprang der Dreimonatskontrakt für Aluminium in dieser Woche die Marke von 3.000 US-Dollar je Tonne. Damit hat sich der Preis für diesen Terminkontrakt in weniger als anderthalb Jahren verdoppelt und liegt nun auf dem höchsten Stand seit dem Jahr 2008.


Industriemetalle als Preistreiber

Angesichts dieses scharfen Preisanstiegs zählen Industriemetalle zu den größten Preistreibern in der ohnehin angespannten Weltwirtschaft. Auslöser für diese Verteuerung sind vor allem überdehnte Lieferketten. Hinzu kamen zuletzt Lieferunterbrechungen auf dem Aluminiummarkt wegen politischer Unruhen im westafrikanischen Staat Guinea sowie die Tatsache, dass  die Kommunistische Partei in China umweltverschmutzende Industrien wie die stromfressende Herstellung von Aluminium stärker unter Kontrolle nimmt.

Die Folge: Die führende Rohstofffabrik der Welt verzeichnet wegen der kräftig gestiegenen Rohstoffpreise den stärksten Anstieg der Erzeugerpreise seit 13 Jahren. Um 9,5 Prozent gingen die im August im Vergleich zum Vorjahr in die Höhe.


Chance für Anleger

Verbraucher mögen dies beklagen, weil dadurch viele industriell hergestellten Produkte teurer werden. Doch Anleger können nach Wegen suchen, diese Verteuerungen durch geschickte Geldanlagen zu kompensieren und am Preisanstieg für Aluminium, Kupfer oder Nickel teilzuhaben.

Zwischen Zertifikaten, Optionsscheinen, börsengehandelten Indexfonds (ETF), börsengehandelten Rohstoffen (Exchange Traded Commodities, ETC) und Aktienfonds haben die Anleger eine breite Auswahl. Die Kunst besteht darin, jene Produkte zu finden, die ausschließlich in Industriemetalle investieren und nicht andere Rohstoffe miteinbeziehen. Viele Minengesellschaften beispielsweise fördern nicht nur Bauxit, den Basisstoff für Aluminium, sondern auch andere Erze. Andere Finanzprodukte investieren in Rohstoffe wie Lithium, die für Batterien benötigt werden, oder in Edelmetalle wie Gold, Silber und Platin.

Eine beliebte Form, in Rohstoffe zu investieren, sind ETC, ein enger Verwandter der ETF. Der Unterschied liegt darin, dass sich ein ETF immer auf einen Index bezieht, der ein Mindestmaß an Diversifizierung bieten muss. Ein ETC dagegen orientiert sich entweder am Preis für einzelne Rohstoffe oder an einem Rohstoffkorb. Manche beziehen sich auf Kassapreis, andere auf Terminkontrakte.

Daneben gibt es einen anderen Unterschied, der Anlegern wie Haarspalterei vorkommen mag, doch entscheidend ist, wenn der Anbieter eines ETF oder ETC insolvent werden sollte: Ein ETF ist wie ein Investmentfonds ein Sondervermögen, auf das die Gläubiger des Finanzanbieters keinen Zugriff haben, sollte dieser zahlungsunfähig werden. Ein ETC dagegen ist eine Schuldverschreibung des ETC-Anbieters – der Anleger gibt dem ETC-Anbieter einen Kredit, der möglicherweise weg ist, wenn der Anbieter insolvent wird.


Breites Produktangebot

Wen das nicht abschreckt, kann sich beispielsweise bei Wisdom Tree umsehen und hier beispielsweise Wisdom Tree Industrial Metals ansehen (ISIN: DE000A0KRKG7). Wisdom Tree bietet auch ein Indexprodukt nur auf Aluminium an, den Wisdom Tree Aluminium (ISIN: DE000A0KRJS4). Wer nur an einem Anstieg des Kupferpreises teilhaben will, kann den GPF Physical Copper ETC (ISIN: XS2314659447) wählen. Von BNP Paribas Asset Management gibt es den RICI Enhanced Industriemetalle TR EUR ETC (ISIN: DE000PB8R1M6). Auch Lyxor, iShares, VanEck oder SPDR haben ETF und ETC auf Rohstoffe aufgelegt.

Bei Aktienfonds haben die Anleger ebenfalls reiche Auswahl. So listet die Datenbank von CAPinside zahlreiche Produkte auf, die namhafte Fondsgesellschaften wie Invesco, DWS, Blackrock oder Allianz Global Investors in Deutschland vertreiben.

Allerdings können Anleger mit einem ETF, Aktienfonds oder ETC nur auf steigende Notierungen setzen. Dabei warnen die Rohstoffanalysten der Commerzbank schon, dass die aktuellen Preise für Industriemetalle zu hoch lägen und der Markt aus technischer Sicht überkauft sei. Das sollten Anleger im Blick behalten, auch wenn sich laut Commerzbank bisher keine Trendwende abzeichne.

Mit Zertifikaten und Optionsscheinen haben Anleger mehr Möglichkeiten. Mit diesen Instrumenten können sie auf einzelne Rohstoffe setzen oder auf Rohstoffkörbe. Sie können darauf wetten, dass der Aluminiumpreis weiter steigt oder fällt oder dass er gewisse Schwellen über- oder unterschreitet. Große Anbieter von Zertifikaten und Optionsscheinen in Deutschland sind die Deutsche Bank, Société Générale, HSBC, Commerzbank, DZ Bank und BNP Paribas.

Auch finden Anleger viele Online-Broker, die sich auf den Handel mit Zertifikaten und Optionsscheinen spezialisiert haben. Allerdings sollten die Geschäftsbedingungen sorgfältig gelesen werden. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Brokern sind in Hinsicht auf Preise, Gebühren und Anlagebedingungen gewaltig.

Zudem sollten Anleger beim Kauf von Zertifikaten und Optionsscheinen beachten, dass sie – wie beim Kauf eines ETC – Gläubiger des Emittenten werden.

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