Der Krieg ist vorbei: Fintechs und Banken gehen nun Hand in Hand

Nicht nur die Banken werden durch die Regulierung im Finanzsektor gebremst - auch Start-ups. So muss ein Unternehmen, das in weiterer Folge Zahlungen abwickeln möchte, eine Lizenz der BaFin - der deutschen Finanzaufsicht - besitzen oder zumindest einen Partner an der Seite haben, der eine derartige Erlaubnis besitzt. N26, Deutschlands Nummer 1, wenn es um Start-up-Banken geht, setzte die ersten 18 Monate auf die Banklizenz von Wirecard. Durch großzügige Investoren konnte N26 jedoch die Rücklagen erhöhen und erhielt sogar eine eigene Erlaubnis von der deutschen Finanzaufsicht. Auch beim Nutzerwachstum darf sich N26 nicht beklagen - derzeit liegt man bei 1,5 Millionen Kunden.


Fintechs stellen keine Gefahr mehr dar

Nur dann, wenn eine junge Firma viele Kunden binnen kürzester Zeit gewinnen kann, wird sich das Geschäft am Ende auch lohnen. Aufgrund der Tatsache, dass die Margen in dem Sektor recht schmal sind, suchen viele Start-ups nach starken Partnern. „Natürlich haben die Etablierten den Zugang“, so Oliver Dany, der BCG Deutschland-Geschäftsführer. Würde sich ein Start-up alleine auf den Weg machen, so wären die Kosten für die Kundenakquise viel zu hoch. Findet man einen Partner, so teilt man sich zwar die Erträge, muss jedoch nicht so tief in die Tasche greifen. Ein Beispiel: Scalable Capital. Nachdem die Direktbank mit Ing Diba kooperierte, kam es zum tatsächlichen Durchbruch - plötzlich ist das Kapital, das von Scalable Capital verwaltet wurde, auf über eine Milliarde Euro gestiegen. Zudem kam es zur Verdreifachung der Kundenanzahl. „Fakt ist, dass die Banken nicht so schnell ersetzt werden, wie man das vor ein paar Jahren noch gehofft hatte“, so Oliver Dany. Die größte Gefahr für die Banken seien nicht die Start-ups, sondern die Digitalkonzerne - so etwa Amazon. „Wird hier das Lending-Angebot forciert, könnte das mitunter ein Problem für die Banken werden“, so Dany. Bislang würde die Innovation vorwiegend auch nur auf Produktebene stattfinden. „Natürlich haben die Kunden jetzt schon eine andere Erwartungshaltung. Ganz egal, ob es die Direktbank N26 schaffen wird oder nicht, die Haltung wird aber garantiert bleiben.“ So etwa, dass ein Bankkonto in nur wenigen Minuten eröffnet werden kann. Aber auch die Banken wissen, dass sie mitunter die Start-ups brauchen und suchen ebenfalls nach Partnern, sodass die Grenzen zwischen dem Fintech und der klassischen Bank verschwinden. Rund 64 Prozent aller Banken arbeiten bereits mit einem Fintech zusammen - schon jede vierte Bank hat zudem schon ein eigenes Start-up ins Leben gerufen und 30 Prozent wollen demnächst eine Fintech-Einheit verwirklichen.

 

Nicht alle Start-ups werden es schaffen

Die Ziele der Banken? Weniger Angriffsfläche bieten und die Probleme der schon rückständigen IT in den Griff zu bekommen. Genau deswegen werden einige Bereiche schon an die Start-ups ausgelagert. So etwa, wenn es um die Video-Identifikation oder auch um das Aufdecken betrügerischer Machenschaften geht. Oliver Dany geht davon aus, dass es natürlich nicht alle Start-ups schaffen werden: „90 Prozent werden scheitern, natürlich auch viele Start-ups, die sich im Fintech-Sektor befinden. Der digitale Markt, der eine mittlere Größe hat, verträgt gerade einmal zwei Wettbewerber pro Thema, wobei am Ende nicht ausgeschlossen werden kann, dass es nur einen Gewinner gibt.“