Experteninterview: Schwarmintelligenz aller Fondsmanager gibt Nachhaltigkeits-Definition vor

Source For Alpha verbindet man eigentlich mit systematischem Investieren und wissenschaftlich basierten Investmentansätzen. Sie haben mit dem Better Future Aktien Global seit einem Jahr auch einen nachhaltig ausgerichteten Fonds im Programm. Wie kam es dazu?

Funke: Das Konzept entstand im Grunde aus der konkreten Nachfrage einer Kundenfamilie, die in der eigenen Vermögensverwaltung schon seit zehn Jahren auf Nachhaltigkeit setzt. Wir haben uns die Frage gestellt, wie wir so ein nachhaltiges Konzept systematisch – denn dafür steht ja Source For Alpha – umsetzen können. Heraus gekommen ist der Better Future Aktien Global.


Dr. Christian Funke


Wie kann man sich die Konzeption vorstellen? Wo lag die Herausforderung?

Funke: Das Problem generell ist ja, dass es keine klare und eindeutige Definition von Nachhaltigkeit gibt bzw. sie sehr schwammig ist. Das ist natürlich eine Herausforderung für einen systematisch-regelgebundenen Ansatz, den wir vertreten. Eine Möglichkeit wäre es, eine eigene Definition zu setzen, dann bewegt man sich aber im normativen Bereich. Wir haben schnell festgestellt, dass die verschiedenen Ratinganbieter und Researchhäuser alle sehr unterschiedlich agieren. Für die einen ist eine Firma nachhaltig, für die anderen aus den unterschiedlichsten Gründen nicht. Oder in Deutschland ist das Thema Kernenergie nicht nachhaltig, in Frankreich dagegen schon.


Was war die Lösung?

Funke: Wir hatten dann die Idee, die Definition nicht einer normativen Instanz, wie etwa einem Expertengremium zu überlassen, sondern einfach an die Schwarmintelligenz aller Fondsmanager, die sich mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen, auszulagern. Sprich: Was ist der gemeinsame Nenner aller Nachhaltigkeits-Manager? Was sind die nachhaltigsten Firmen? Auf diese Weise werden ganz unterschiedliche Nachhaltigkeits-Ansätze zusammengefasst.


Wie gehen Sie nun konkret vor?

Funke: Wir führen eine Wettbewerbsanalyse der nachhaltig orientierten Fonds durch und schauen uns die Portfolios ganz genau an. Was ist drin, was kaufen die Manager? Und dann analysieren wir, wie oft jede Aktie in den verschiedenen Fonds auftaucht. Dieses Auslagern an die Schwarmintelligenz aller Fondsmanager ist am Ende dann die Systematisierung der Definition von Nachhaltigkeit. Somit geben wir als Asset-Manager keine normative Definition vor, sondern es machen alle gemeinsam.


Was unterscheidet Ihren Fonds sonst noch von anderen?

Funke: Die meisten Nachhaltigkeitsfonds weisen durch ihre zuweilen einseitige Ausrichtung und einer klaren zugrunde liegenden Definition von Nachhaltigkeit in eine Richtung auch bestimmte Klumpen auf, also Gruppen von ganz bestimmten Aktien. Beispielsweise haben Fonds mit Schwerpunkt Neue Energien viele Solar- und Windtitel im Portfolio. Oder beim Thema Elektromobilität sind in den Portfolien fast überall Tesla-Aktien drin. Durch diese eindeutige Positionierung in eine Richtung wird das Risiko in Abwärtsphasen natürlich drastisch erhöht. Mit unserem Fonds haben wir diese Ausschläge nach oben und unten nicht, da wir sehr ausgewogen und diversifiziert investieren.


Das klingt nach einem sehr cleveren Konzept. Gibt es einen Haken?

Funke: Unsere Konzeption hat zur Folge, dass dieser Ansatz nicht unbedingt zur individuellen Nachhaltigkeits-Definition jedes einzelnen Investors passen muss. Aber das ist ein Nachteil, den man in Kauf nehmen kann, weil wir trotzdem so eine möglichst große Überschneidungsmenge zwischen allen möglichen Investoren finden.


An wen richtet sich Ihr Fonds? Wer ist die Zielgruppe?

Funke: Der Fonds richtet sich an die Anleger, die sich nicht einseitig positionieren wollen, sondern das Thema Nachhaltigkeit systematisch und regelbasiert angehen wollen. Aber wir sehen den Fonds aufgrund des sehr breiten Ansatzes als Basisinvestment, insofern kommt er für jeden Anleger in Frage. Am Ende soll und kann sich auch jeder in diesem Ansatz wiederfinden.


Warum sollten sich Berater mit dem Thema ESG beschäftigen?

Funke: Es gibt für Berater vor allem zwei Gründe, warum das Thema Nachhaltigkeit immer wichtiger wird. Der erste Grund ist auch der für uns relevante und warum wir den Fonds aufgelegt haben, und das ist die steigende Kundennachfrage. Wir erleben das seit zwei, drei Jahren in der Beratung der Vermögensverwaltung. Kunden fragen konkret, wie wir denn Nachhaltigkeit umsetzen und ob wir Nachhaltigkeit auch in unseren Strategien berücksichtigen können. Der zweite wichtige Grund ist die Regulierung, die für einen weiteren Push sorgt. Es wird von der Regulatorik her immer mehr Vorgaben geben, das Thema Nachhaltigkeit im Beratungsgeschäft zu berücksichtigen und es einzusetzen. Zumindest, dass man jeden Kunden danach fragen muss, ob er nachhaltige Kriterien bei der Geldanlage berücksichtigen will oder nicht. Und wenn er das will, muss man verstärkt nachhaltige Produkte einsetzen.


Der Fonds feiert jetzt seinen ersten Geburtstag? Wie sind Sie mit dem bisherigen Abschneiden zufrieden?

Funke: Wir sind sehr zufrieden, denn wir haben unsere Zielsetzung voll erreicht. Der Fonds hatte in der Corona-Krise zudem deutlich geringere Verluste als andere. Wir wollten hinsichtlich Rendite und Risiko eine stabile Entwicklung, was die Wertentwicklung von knapp zehn Prozent in zwölf Monaten auch zeigt.