Für Finanzberater werden Nachhaltigkeitskenntnisse zum Erfolgsfaktor

Das Interesse an nachhaltig gemanagten Investmentprodukten wächst rasant. Und es gibt triftige Gründe, warum Finanzberater im Hinblick auf die Altersvorsorge ihrer Kunden beim Thema Nachhaltigkeit fit sein müssen.

Inspiriert durch die schwedische Umwelt-Aktivistin Greta Thunberg gehen auch hierzulande Freitag für Freitag Schüler und Studenten auf die Straße, um für ihre Zukunft zu demonstrieren. Eine der Forderung der Fridays-for-Future-Bewegung: Alle Kosten, die künftigen Generationen durch den CO2-Ausstoß entstehen, sollen kompensiert werden. Das heißt nichts anderes, als dass jede Emission von Treibhausgasen künftig sehr teuer werden kann.

Tatsächlich gibt es weltweit Bestrebungen, Kohlendioxidemissionen einen Preis zu geben. Entweder über die direkte Besteuerung des CO2-Ausstoßes oder über den Handel mit so genannten Verschmutzungsrechten, wie es in der Europäischen Union der Fall ist. Denn inzwischen ist klar, dass die Ziele des Abkommens von Paris, die Klimaerwärmung auf 2 Grad, idealerweise sogar auf 1,5 Grad Celsius, zu begrenzen, nur erreicht werden kann, wenn jede Emission einen entsprechend hohen Preis hat. Die Weltbank zum Beispiel geht davon aus, dass jede Tonne CO2-Emission im Jahr 2020 im Schnitt 40 bis 80 Dollar kosten müsste.  Doch davon sind wir weit entfernt.

 

Umweltsündern drohen sinkende Margen

Für Langfristanleger, die für ihre Altersvorsorge bereits sparen oder jetzt damit beginnen, ist das ein wichtiger Aspekt. Denn werden CO2-Emissionen teurer, dann werden zum Beispiel Unternehmen, die auf Kohlestrom setzen oder gar in diesem Bereich tätig sind, künftig mit Strafzahlungen, steigenden Kosten und sinkenden Gewinnmargen konfrontiert, womöglich sogar mit Reputationsrisiken. Das heißt, Anlageberater müssen solche Dinge schon heute berücksichtigen, wenn sie ihren Kunden eine langfristige, auf die Altersvorsorge ausgerichtete Anlage empfehlen.

Allerdings ist das nur ein Grund, warum Nachhaltigkeit in der Beratung immer wichtiger wird. „Die EU ist dabei, ein ganzes Paket an Maßnahmen zur Förderung von Sustainable Finance zu verabschieden. Ein wichtiger Teil hiervon ist eine Ergänzung zu MiFID II, durch die die Frage nach den Nachhaltigkeitspräferenzen des Kunden in der Anlageberatung verpflichtend werden soll“, erläutert Angela McClellan, Geschäftsführerin des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG).

Das bedeutet, dass Anlageberater und Vermögensverwalter künftig bei ihren Kunden zum Beispiel abfragen müssen, inwieweit sie eine nachhaltige Geldanlage bei ihrer Altersvorsorge haben möchten. „Vermögensberater müssen also in diesem Bereich sehr fit sein und ihre Klientel entsprechend den individuellen Vorstellungen von Nachhaltigkeit beraten können“, fasst McClellan zusammen. Oder anders formuliert: Nachhaltigkeitskenntnisse werden für Anlageberater zum Erfolgsfaktor.

 

Wachsendes Interesse an nachhaltiger Geldanlage

Zugleich wächst nämlich auch das Interesse der Anleger an dem Thema, wie eine Studie der auf Finanzdienstleister spezialisierten Unternehmensberatung Cofinpro zeigt. Demnach legt rund jeder zweite Deutsche Wert auf Nachhaltigkeit in der Geldanlage und wäre dafür sogar bereit, auf Rendite zu verzichten. Und 87 Prozent der befragten Bundesbürger wünschen sich klar zu erkennen, welche Wertpapiere den Kriterien einer ökologischen, sozialen und ethischen Unternehmensführung genügen.

„Unsere Studie“, sagt Wertpapierexpertin Melanie Konrad von Cofinpro dazu, „belegt den ganz klaren Wunsch der Bundesbürger nach mehr Orientierung in dieser zunehmend beliebten Anlageform“. Der Haken: Diese Orientierung scheinen Anleger von Beratungsseite bislang nicht zu bekommen, wie die Umfrage weiter feststellt. Demnach spielen nachhaltige Aspekte bei den Beratungsgesprächen kaum eine Rolle. „Für Berater, die sich in diesem Bereich fit machen und ihre Kunden im Hinblick auf ihre Altersvorsorge nachhaltig beraten können, bedeutet das folglich eine Chance“, folgert McClellan.

 

Minderung von Portfoliorisiken 

Berater müssen also einschätzen können, ob ein Kunde beispielsweise klare Ausschlusskriterien bevorzugt oder eher einen Best-in-Class-Ansatz. Oder ob es einem Anleger darum geht, mit seinen Investments einen positiven Impact auf die Umwelt und die Gesellschaft zu erzielen. „Wir vom FNG denken deshalb schon, dass Finanzberater eine bessere Ausbildung hinsichtlich Nachhaltigkeit benötigen“, resümiert die FNG-Geschäftsführerin. Aus diesem Grund bietet beispielsweise das FNG eine Weiterbildung für Finanzberater an, um die Grundlagen nachhaltigen Investierens kennenzulernen und selbst einschätzen zu können, ob ein Investment bestimmten Nachhaltigkeitskriterien entspricht.

Doch selbst bei Kunden, die sich nicht für dieses Thema interessieren, kann es Sinn machen, diesen Gedanken nahezubringen. Denn gerade im Hinblick auf die in der Regel langfristig angelegte Altersvorsorge wird dieses Thema zum Tragen kommen. Schließlich sind die Demonstranten der Friday-for-Future-Bewegung die Konsumenten von morgen. Und spätestens dann droht jenen Unternehmen, die die Umwelt verschmutzen, die nicht auf Kinderarbeit verzichten,  Mitarbeiter diskriminieren oder unlautere Wege einschlagen, derartige Reputationsrisiken, dass ein Investment in diese Firmen zu einem erheblichen Risiko für das Portfolio eines Anlegers werden kann.