Studie: Kryptowährungen können Hauptzahlungsmittel werden

Der Broker eToro und das Londoner Imperial College haben gemeinsam eine Studie zu Kryptowährungen durchgeführt. Das Fazit lautet: Die virtuell im Netz geschöpften Währungen könnten durchaus Hauptzahlungsmittel werden. Allerdings gibt auf dem Weg dorthin noch Hindernisse.

Die Studie befasst sich mit der Thematik, wie Kryptowährungen die bisherigen Akzeptanz- und Vertrauensbarrieren überwinden könnten. Hierzu müssten sie vier wesentlichen Funktionen gerecht werden, die man jeder Art von echtem Geld zuschreibt:

  •     Zahlungsmittel
  •     Tauschmittel
  •     Recheneinheit
  •     Wertaufbewahrungsmittel


Wenn das gelänge, so die Autoren der Studie, würden digitale Währungen als praktikables technologisches Update der grundsätzlichen Art und Weise entsprechen, mit der wir bislang Geld ausgeben. Dass Kryptowährungen neu seien und auf revolutionäre Weise erzeugt würden, sei hingegen nicht das Problem, so die Studie. Zwar hätten wir Menschen uns an das scheinbar stabile, fest verankerte Geldkonzept gewöhnt, doch das sei ein Trugschluss. In der Geschichte des Geldes gab es in Wahrheit - und im Gegensatz zu unserem Gefühl der Wertstabilität von Geld - immer wieder Evolutionen. Sie wurden durch neue Technologien angetrieben, mit denen sich der Werttransfer mithilfe von Geld verbessern ließ. So war die Erfindung des Papiergeldes eine unglaubliche Erleichterung, weil große Summen fortan nicht mehr kiloweise in Edelmetallmünzen transportiert werden mussten. Die virtuellen Währungen haben ihren Vorläufer im Online-Banking. Schon seit vielen Jahren ist Geld für die meisten Menschen überwiegend eine Zahl auf dem (online einsehbaren) Konto. Bezahlvorgänge und die Wertaufbewahrung finden schon längst überwiegend virtuell statt. Wer bewahrt schon physisch große Bargeldmengen auf? Der technologische Schritt zu den Kryptowährungen war also gar nicht so groß, wie es aktuell erscheint. Er ist vielmehr sehr folgerichtig, so der eToro-Manager Iqbal Gandham.


Triebfeder für Kryptowährungen: grenzüberschreitende Transaktionen

Dass sich mit Kryptowährungen grenzüberschreitende Transaktionen unkomplizierter als je zuvor durchführen lassen, könnte sich nach Ansicht der Autoren als entscheidende Triebfeder für ihre allgemeine Akzeptanz erweisen. Schon jetzt sei ersichtlich, dass etwa der Bitcoin, den es erst seit 2009 gibt, teilweise schon vollkommen den Anforderungen an normales Geld entspricht. Er wurde rasend schnell allgemein als Zahlungsmittel akzeptiert. Unter diesem Blickwinkel könnten er und weitere Kryptowährungen zu einem der präferierten Hauptzahlungsmittel werden - und zwar innerhalb von vielleicht zehn Jahren, so Gandham. Allerdings seien für die digitalen Währungskonzepte bislang noch einige Hürden zu überwinden, selbst wenn sie sogar schon die wichtige Wertaufbewahrungsfunktion erfüllen, wovon Prof. William Knottenbelt vom Londoner Imperial College ausgeht. Im Detail macht die Studie folgende Schwerpunkte aus:

Skalierbarkeit: Die Blockchain-Basis vieler Kryptowährungen ist vielfach nicht für große Transaktionsvolumina geeignet. Sie muss skalierbarer werden.
Benutzerfreundlichkeit: Daran fehlt es dem Krypto-Geld noch in Hinblick auf eine Massentauglichkeit.
Regulierung: Kryptowährungen werden nicht oder unterschiedlich reguliert. Das schreckt die Allgemeinheit ab.
Volatilität: Sämtliche Kryptowährungen schwanken zu sehr im Preis.
Anreize: Das Anreizsystem durch eine Währung beeinflusst das Verhalten ihrer Nutzer. Manipulationen müssen ausgeschlossen werden.
Datenschutz: Es herrschen unterschiedliche Datenschutzniveaus bei Kryptowährungen. Das schreckt viele Menschen ab.

Wenn diese Probleme überwunden werden, dürften Kryptowährungen der natürliche nächste Schritt der Geldevolution sein, so die Studie.