Zeitdruck bei Blue Origin: Amazon-Gründer Bezos verfolgt ehrgeizige Ziele im Raketengeschäft

Die Raketenfirma Blue Origin des Amazon-Gründers Jeff Bezos wächst. Mit einem neuen Modell will der Unternehmer bis 2020 handfeste Ergebnisse erzielen. Sein Konkurrent Elon Musk, der nicht nur Tesla, sondern auch das Raumfahrtunternehmen Space-X betreibt, stellt sich dem Konkurrenzkampf.

Insider bestätigen, dass Jeff Bezos bei Blue Origin aufs Tempo drückt. Das Projekt soll endlich aus der Startup- in die Produktionsphase übergehen, alt genug ist es dafür wahrlich. Bezos hatte es schon im Jahr 2000 ins Leben gerufen. Die Konkurrenz wächst nun, denn weltweit befassen sich private Anbieter mit der Raumfahrt, wobei es Elon Musk mit Space-X am weitesten gebracht hat. Er kann viele Dutzend erfolgreiche Raketenstarts vorweisen. Bei Blue Origin hingegen scheint es Probleme mit dem Zeitplan zu geben.

Die Nachrichtenagentur Reuters hat bei Insidern nachgehakt und die entsprechenden Hinweise erhalten, wobei sich die Informanten aus dem inneren Zirkel von Blue Origin nicht namentlich nennen lassen wollten. Fest steht: Die Belegschaft von Blue Origin wurde seit Anfang 2016 verdoppelt, inzwischen arbeiten 1.500 Spezialisten für das Unternehmen. Der wichtigste Kunde von Blue Origin wäre zunächst der Satellitenbetreiber Eutelsat. Dessen Vize-Chef Yohann Leroy bestätigte das Wachstum von Blue Origin, dass wohl noch deutlich zulegen werde, denn es sei eine weitere Verdoppelung der Mitarbeiterzahl in den kommenden zwei oder drei Jahren geplant - ein nahezu “hyperbolisches” Wachstum, wie ein Blue Origin Mitarbeiter bestätigte. 

 

Blue Origin: große Pläne, kleine Schritte

Es ist nicht so, dass Jezz Bezos mit seiner Raketenfirma keine Erfolge vorzuweisen hätte. Zwar erzielt das Unternehmen keine Gewinne, Bezos steckt jährlich rund eine Milliarde Dollar hinein. Jedoch konnte er schon Grenzen knacken. Seine Suborbitalrakete New Shepard landete 2015 als erste Rakete überhaupt, nachdem sie mit über 100 km Flughöhe die anerkannte Weltraumgrenze erreicht hatte. Jeff Bezos hat aber größere Pläne. Blue Origin soll kommerziell erfolgreich werden, ein Landesystem für Mondflüge entwickeln und eine Mondstation versorgen können.

Daran arbeiten die Entwickler in Kent (Washington) und auf dem Testgelände in Culberson County (Texas). Eine wesentlich darüber hinausgehende Vision ist die Entwicklung von senkrecht startenden und landenden Raumfahrzeugen, mit denen Menschen die Reise an den Rand unseres Universums gelingen soll. Dafür werden die Raumschiffe mit Onboard-Computern so ausgestattet, dass sie keine Bodenkontrolle mehr brauchen. Doch zunächst konzentriert sich Bezos auf die praktische Vermarktung, denn die Rakete New Glenn soll ab 2020 zum ersten Testflug starten und dann für Eutelsat Nachrichtensatelliten ins All befördern. 

 

Rivalität mit Elon Musk

Während die Blue Origin Ingenieure an Details tüfteln, um das ambitionierte Zieldatum 2020 einhalten zu können, schickt Space-X Gründer Elon Musk starke Worte in Richtung des Konkurrenten. Dieser könnte alsbald durchaus ins ernsthafte Raketengeschäft einsteigen, daran glaubt jedenfalls der Eutelsat-Manager Leroy, der sich den ersten New Glenn Start mit einem Eutelsat-Satelliten Ende 2022 vorstellen kann. Die Zeitlinie sieht diesen Start zwischen 2021 und 2022 vor, wobei bei Verzögerungen keinerlei Vertragsstrafen drohen. Das verfolgt Elon Musk sehr genau. Seine Falcon-Raketen hoben inzwischen über 50 Mal ab. Sollte Jeff Bezos ebenfalls als privater Raumfahrtunternehmer erfolgreich sein, hieße es “game over“, so Elon Musk.